Das Berliner Start-up will Ebay Kunden abluchsen. Die Gründer setzen bei ihrem Portal auf Festpreise und einen Versand der Waren, die nicht fabrikneu sein dürfen.

Schnäppchenjäger bei Ebay finden vor allem: Neuware. Über die letzten Jahre hat sich der US-Riese immer weiter professionellen Händlern geöffnet – und sich so deutlich von der Ursprungsidee entfernt. Enttäuschte Nutzer will nun ein Berliner Start-up für sich gewinnen. Im April ist das Portal gebraucht.de in seiner jetzigen Form online gegangen. Kurz nach dem Start können die Gründer Oliver Kaiser und Stefan Tietze  bereits einen großen Erfolg vermelden: Sie haben von Business Angels eine Anschubfinanzierung in siebenstelliger Höhe erhalten.

Im Unterschied zu Ebay finden sich bei gebraucht.de keine fabrikneuen Produkte. Auch einen Auktionsmodus gibt es nicht – ähnlich wie bei Ebay Kleinanzeigen und bei der Flohmarktapp Shpock werden Produkte zum Festpreis angeboten. „Der große Unterschied ist, dass wir auch die Logistik und die Bezahlung integrieren“, sagt CEO Stefan Tietze. „So können wir Käufer und Verkäufer standortunabhängig zusammenbringen.“ Das Portal hilft den Verkäufern dabei, ein passendes Versandunternehmen zu finden. In Berlin ist es auch möglich, die verkaufte Ware abholen und verpacken zu lassen. Die Versandkosten teilen sich Käufer und Verkäufer. Die Zahlung wird erst an freigegeben, wenn die Ware unbeschadet angekommen ist.

Bereits ohne jegliches Marketing hat das Portal mehr als 20.000 registrierte Nutzer gewonnen. Die iOS-App wurde über 10.000 Mal heruntergeladen, für Ende des Monats ist der Start einer Android-App geplant. Bis April fand man auf gebraucht.de bereits ein simples Kleinanzeigen-Portal, das Mitgründer Oliver Kaiser während des Studiums konzipiert hatte. „Das große Interesse hat uns gezeigt, dass der Bedarf für eine professionelle Ebay-Alternative da ist“, sagt Tietze, der vorher beim Gebrauchtwagenportal Auto 1 Leiter Global Operations war. Vor etwa einem Jahr begannen die Entwicklungen für die aktuelle Seite. Das Start-up beschäftigt bereits 20 Mitarbeiter.

Verkäufer zahlen 9,5 Prozent Provision

Gestärkt durch die Finanzierung wollen die Gründer nun die Werbetrommel rühren: Neben Anzeigen bei Google und Facebook sind für Juni TV-Spots geplant, sagt Tietze. „Unser Ziel ist es, die Plattform nun zu skalieren und die Nutzerbasis zu vergrößern.“ Geplant ist außerdem eine Expansion nach Österreich und in die Schweiz. Das Geschäftsmodell ist simpel: Für jede Transaktion kassiert gebraucht.de eine Provision von 9,5 Prozent des Verkaufspreises. Das Einstellen der Anzeigen ist kostenlos. Diese werden alle gleich behandelt. Anders als Ebay gibt es keine Möglichkeit, Anzeigen durch die Zahlung eines Aufschlags besonders hervorzuheben.

Expertise für die Weiterentwicklung der Plattform steuern auch die Business Angels bei: Peter Schmid, Chef von „Wer liefert was“, war einst Mitglied des Ebay-Managementteams. Mit Marcus Börner ist außerdem der Gründer des An- und Verkaufsanbieters reBuy an Bord. Zu den weiteren Investoren zählen ProSiebenSat.1-Finanzchef Jan Kemper, Gutscheine.de-CEO Marcus Seidel sowie Kai Hansen und Phillip Hartmann von Rheingau Founders, die unter anderem bei Lieferando als Mitgründer tätig haben. Bei gebraucht.de ist noch für dieses Jahr eine zweite Finanzierungsrunde geplant.