Michael Maixner gefiel vor allem diese Komponente des Programms. Der heute 55-Jährige saß elf Monate lang hinter Gittern, weil er mehrmals ohne Führerschein gefahren war. Schon vor seiner Haftstrafe betrieb er eine Gebäudereinigungsfirma. „Fachlich brachten mir die Kurse nichts Neues, aber die menschliche Komponente hat mir sehr geholfen“, sagt Maixner im Rückblick. Gerade im Bereich Mitarbeiterführung habe er viel gelernt.

Maixner zählt zu den Erfolgsbeispielen des Programms. Nach seiner Entlassung im Dezember 2014 setzte er seine Idee aus den Gründerkursen sofort um. Maixner baute eine Online-Plattform auf, die Gebäudereiniger in München vermittelt. „Daran hatte ich schon vor der Haft gedacht“, sagt der 55-Jährige. Doch erst die Zeit hinter Gittern habe ihm die Möglichkeit gegeben, sich dem Projekt auch tatsächlich zu widmen. „Man könnte sagen: Gott sei Dank kam das Gefängnis.“

Fünf Monate lang arbeitete er Tag und Nacht an seinem Portal Cleanhouse24. Dann machte ihm ein großes deutsches Putzportal ein Angebot, er verkaufte für 25 000 Euro. Das Geld steckte er in seine neue Firma, wieder für Gebäudereinigung. Maixner: „So komisch es klingt: Dieses Jahr Gefängnis hat mich sehr viel weiter gebracht.“

Nicht jedes Projekt wird allerdings nach der Abschlussveranstaltung umgesetzt. Das weiß auch Angela Bilzer. „Bei einigen Ideen hatte ich Bauchschmerzen“, sagt die selbstständige Karriereberaterin, die das Projekt schon seit Jahren begleitet. Manchmal fehle ihr der Realitätscheck, ob es für das Angebot überhaupt einen Markt gibt.

Trotzdem steht sie dem Programm positiv gegenüber. Denn es beinhalte eine wichtige Komponente: „Die Häftlinge erfahren, dass sie nicht das unterste Glied der sozialen Kette sind“, sagt Bilzer. „Sie lernen in den Kursen, dass sie etwas erreichen können, wenn sie Leistung zeigen.“ Bald wird sie einen der Gefangenen bei seiner Rückkehr in die Gesellschaft begleiten. Dabei geht es um praktische Tipps und Gründerberatung, aber auch Beistand für die Zeit nach der Haft.