Wer etwas verloren hat soll es mit Hilfe eines Online-Fundbüros wiederfinden. Mit der Idee gehen die Gründer nun in die USA.

Zentrales Fundbüro ist eine Online-Plattform für verlorene Gegenstände. Gegründet hat Markus Schaarschmidt das Start-up im August 2015 in Frankfurt am Main, nachdem ihm bereits ein Jahr zuvor die Idee für das „Lost and Found“-Portal kam – als er etwas verloren hatte. Mittlerweile werden monatlich 150.000 Verluste auf der Seite gemeldet. Schaarschmidt und Co-Gründer Antonio Vega sprechen im Interview über ihre Teilnahme am German-Accelerator-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums und ihre Ziele in der Welt der Verluste.

Interview: Laura Waßermann

WirtschaftsWoche Gründer: Ein Fundbüro gibt es an jedem Bahnhof oder in jedem Bürgerbüro. Wie wollen Sie Geld verdienen?

Markus Schaarschmidt: Wir sind eine Online-Suchmaschine für Fundsachen. Auf  kann man seine verlorenen Sachen jeweils nach Ort und Kategorie (beispielsweise Fahrrad, Brille oder Schlüssel) suchen und nachschauen, ob der Gegenstand bereits gefunden, verloren oder gestohlen wurde. Dabei werden die Ergebnisse übersichtlich auf einer Weltkarte dargestellt. Dazu gibt es noch kostenpflichtige Zusatzleistungen wie etwa den Suchauftrag, der Suchende automatisch über passende Funde informiert.

 

Inwiefern nutzen Sie dafür auch Soziale Medien?

Nachdem wir feststellten, dass es immer wieder Fälle gibt, in denen Menschen schnelle und direkte Hilfe wollen, haben wir das WhatsApp-Fundbüro eingeführt. Ursprünglich war dieser Service für Gehörlose gedacht, die nicht einfach anrufen können. Aber meistens bekommen wir Nachrichten von Menschen, die unterwegs sind und gerade etwas verloren haben. Oft ist dann auch noch die Internetverbindung zu langsam, um auf unseren Webseiten den Verlust zu melden. Wer kennt solche Pechtage nicht? Mit den Nutzern kommunizieren wir dann per Chat und können beispielsweise Verlustmeldungen für sie eintragen.

 

Ist Ihre Plattform nur für Privatleute?
Nein, für Hotels oder Fluglinien bieten wir mit dem Fundbüro Manager eine Software, die den ganzen „Lost and Found“-Prozess vereinfachen soll – von der Fundsachenverwaltung über das logistische Versenden von Fundsachen zurück an den Eigentümer bis hin zur rechtskonformen Anzeige beim Fundamt. Wir verwandeln die bisher passiven Finder und Fundbüros in aktive digitale „Lost and Found“-Stationen, die von allen genutzt werden können. 

 

Verlieren Sie selbst oft Sachen?

Teils, teils. Nachdem mein Kollege Markus Schaarschmidt seinen Rucksack mit einem USB-Stick und wichtigen Arbeitsmaterialien verloren und festgestellt hatte, wie nervig und aufwändig die Suche war, kam ihm die Idee für das Zentrale Fundbüro. Auch PC-Mäuse oder rollbare Tastaturen hat er schon verloren. Wir anderen im Team haben alle auch schon mal etwas verloren, sei es der Schlüssel oder das Smartphone.

 

Sie wurden vom Bundeswirtschaftsministerium für das German Accelerator Programm nominiert. Wie kam es dazu?

Dass wir uns für den German Accelerator bewerben wollten, war uns bereits klar, als wir 2015 erstmals davon hörten. Um mehr zu erfahren, nahmen wir Kontakt mit den Start-ups auf, die das Programm bereits mitgemacht haben – beispielsweise mit MapCase, die ihren Sitz ebenfalls im Rhein-Main-Gebiet haben. Die Erfahrungsberichte und die ganze Philosophie dahinter motivierten uns zur Teilnahme, denn im Gegensatz zu anderen Programmen nimmt der German Accelerator weder Anteile noch andere Rechte am Unternehmen, sondern ist rein unterstützend tätig.

 

Was bringt Ihnen das Programm?

Wir können dadurch sehr viel leichter den Internationalisierungsprozess in den USA beschleunigen. Das ist schließlich das Ziel dieses Accelerators: den Markteintritt dort zu erleichtern. Vor allem freuen wir uns aber auf das breite Mentorennetzwerk, bestehend aus Seriengründern, Experten und Kapitalgebern, Bootcamps und Netzwerkveranstaltungen. Von Anfang an wird es unser Ziel sein, unser Produkt auf den US-Markt zuschneiden. 

 

Ab Oktober wollen Sie Ihren Dienst US-tauglich machen. Haben Sie schon einen internationalen Firmennamen?

Dass wir, bei aller Liebe zur deutschen Sprache, dem amerikanischen Markt „Zentrales Fundbüro” als Begriff nicht zumuten können, war schnell klar. Von daher sind wir international unter „Have it Back” mit dem Motto „Simply Foundtastic” unterwegs.

 

Und mit „Have it Back“ wollen Sie dann die Teddys der amerikanischen Kinder finden?

Teddybären, Smartphones, Laptops und womit sonst noch Kinder heutzutage so spielen. Es gibt übrigens auch viele Erwachsene, die ihre verlorenen Kuscheltiere vermissen und sogar ziemlich hohe Finderlöhne ausschreiben. Für Mr. Dinkelman zum Beispiel, einem kleinen blauen Stoffbären. Er war einer unserer allerersten Einträge mit Bild und ist mit seiner Besitzerin viel gereist – unter anderem auch in die USA. Vielleicht taucht er ja dort auch wieder auf?

 

Wie wollen Sie Ihr Start-up in den USA etablieren?

Um effektiv in den USA zu agieren, müssen wir unsere Präsenz dort systematisch ausbauen. Kurzfristig suchen wir daher nach Partnern, die für eine engere Zusammenarbeit in Frage kommen. In Deutschland haben wir bereits Kooperationen mit namhaften Partnern gestartet wie dem Tierschutzverein TASSO, dem größten Haustierregister Europas. Deshalb glauben wir, dass wir das auch in den USA gut hinbekommen. Mittel- und langfristig wollen wir auch hiesige Vertriebswege und Marketingkanäle nutzen.

 

Die da wären?

Das gilt es zu ergründen, nachdem wir unser Geschäftsmodell auf den amerikanischen Markt zugeschnitten haben. Persönlich bin ich ein großer Freund von Guerilla Marketing. Da wir insgesamt in den USA einen größeren Fokus auf B2C legen wollen, könnte das eine vielversprechende Methode werden.

 

Kommt nach den USA die weite Welt, also Südamerika, Australien, China?

Ja. Wir wollen die weite Welt erobern. Unsere Meta-Suchmaschine ist heute schon weltweit im Einsatz, da wir „Lost and Found“-Einträge aus der ganzen Welt sammeln und abbilden. Über Google und Co. werden wir so von Nutzern von überall gefunden. Bis wir die Welt erobert haben, müssen wir trotzdem noch einiges unternehmen, denn der Großteil der Nutzer kommt klar aus dem deutschsprachigen Raum. Zum Beispiel werden wir spezifischer auf nationale Eigenheiten eingehen müssen, von der Sprache bis zum Design. Immerhin werden auf der ganzen Welt Sachen verloren, gefunden und zurückgegeben.