Die Investitionen in Food-Tech-Start-ups haben sich fast verdoppelt. Den Unternehmen gelingen immer öfter technologische Durchbrüche.

Vegetarische und vegane Produkte boomen, doch so manchem Fleischfan schmecken die Alternativen nicht. Das will Impossible Foods ändern: Das US-Start-up entwickelt Kunstfleisch, das von echtem Rinderhack kaum zu unterscheiden sein soll. Dazu ahmt der Fleischersatz den Geschmack nach, angeblich bis hinab auf die molekulare Ebene. Hefepilze mit einer Gensequenz aus Sojawurzeln simulieren gar künstliches Blut.

In den USA gibt es die Kunstfleischburger schon, Testesser sind begeistert. Auch Investoren hat das überzeugt: Sogar Bill Gates und die UBS haben sich an Impossible Foods beteiligt. 108 Millionen Dollar erhielt das Start-up im vergangenen Jahr, es war eine der höchsten Summen im Bereich Food-Tech.

Viele Geldgeber sehen das Potenzial von neuen Technologien bei der Nahrungsmittelerzeugung. Die Zahl der Beteiligungen an solchen Start-ups hat sich 2015 weltweit mehr als verdoppelt, insgesamt gab es über 350. Die Investitionen in Food-Tech-Start-ups kletterten von 1,3 auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Das zeigt eine Studie von Statista und der Innovationsplattform Cube.

Infografik: Start-ups mischen Agrar- und Lebensmittelindustrie auf | Statista
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Fast 60 Prozent davon entfielen auf den Bereich Agrar-Tech. Fast 300 Millionen Dollar oder 14 Prozent wurden in Digital-Farming-Firmen investiert, zehn Prozent in Food-Processing-Start-ups wie Impossible Foods. Die restlichen 17 Prozent entfielen auf das Segment Crop Science. Diese Saatgut-Technologien waren auch der einzige Bereich, in dem das Investitionsvolumen zurückging. Wobei die Zahl der Beteiligungen ebenfalls stieg – es gab hier also mehr aber dafür kleinere Finanzierungsrunden.

Die größten Beträge erhielten neben Impossible Foods die Start-ups Hampton Creek und Planet Labs. Hampton Creek entwickelt auf pflanzlicher Basis Ersatzprodukte von Eiern, das Unternehmen bekam 90 Millionen Dollar.

Das 2010 gegründete Start-up Planet Labs aus San Francisco entwickelt eine Technologie, die Informationen über die Erde via Satellitenbildaufnahmen sammelt. Damit sollen die globalen Veränderungen täglich sichtbar, zugänglich und verfolgbar gemacht werden. 118 Millionen Dollar steckten Investoren in der letzten Runde in das Start-up, unter anderem Syngenta Ventures, der Beteiligungsarm des Schweizer Agrarkonzerns Syngenta.

Auch deutsche Unternehmen arbeiten an neuen Technologien, um die weltweiten Ernährungsprobleme zu lösen. So kombiniert ECF Farmsystems Aquakultur zur Fischzucht mit Gemüseanbau in Hydrokultur, das soll bis zu 90 Prozent Wasser sparen. Mehr als eine Million Dollar hat das Start-up dafür erhalten.

Tunatech aus Düsseldorf versucht sich ebenfalls an der Fischzucht in Aquakultur. Doch die Gründer haben sich dafür ganz besondere Fische ausgesucht: Ihnen ist es erstmals gelungen, den Atlantischen Blauflossenthunfisch in Gefangenschaft zum Laichen zu bringen. Sollte es das Start-up schaffen, den Fisch in großem Stil in Aquakultur zu züchten, könnten Sushi-Fans auch künftig den vom Aussterben bedrohten Edelfisch genießen – und müssten nicht auf die Entwicklung eines Fischersatzes warten.