Grille, Heuschrecke oder Mehlwurm auf der Gabel: Was eklig klingt, ist das Essen der Zukunft. Auch Start-ups setzen auf den Trend mit den Insekten.

Von Louisa Riepe

Gut 50 Gäste sind in den „Six Nations Pub“ in Brüssel eingeladen, die Wände sind mit orangenen Plakaten tapeziert. Eine kurze Rede, und dann werden sie hereingetragen: Die ersten „Buxburger“, liebevoll aufgetürmt im hochwertigem Brötchen, mit frischem Rucola-Salat und Barbecuesauce. Denn es handelt sich nicht um irgendeinen Burger: Der Bratling besteht zu 50 Prozent aus Buffalo-Würmern.

Erfunden haben ihn Baris Özel und Max Krämer. Im Februar 2014 haben sie in Osnabrück ihre „Bugfoundation“ gegründet, mit dem Ziel „Marktführer für insektenbasierte Produkte in Europa zu werden“, sagt Krämer ganz unbescheiden. Dabei hatte keiner der beiden Erfahrungen in der Lebensmittelbranche: Krämer (29) hat einen Bachelor in Geografie, Özel (28) studiert International Management. Die Idee, mehr Insekten auf die Teller der Deutschen zu bringen, entstand im Urlaub.

„Wir waren zusammen auf Weltreise, und in Thailand habe ich dann das erste Mal Insekten probiert“, erinnert sich Krämer. Der nussig-würzige Geschmack hat ihn so begeistert, dass er anschließend seine Bachelorarbeit zu den Vorzügen der Entomophagie – dem Verzehr von Insekten – verfasste. „Damit hatte er dann auch genügend Argumente, mich von der Idee zu überzeugen“, lacht Özel.

Denn Grille, Mehlwurm und Co sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen erklärt Birgit Rumpold vom Leibniz-Institut für Agrartechnik in Potsdam. „Insekten stellen ein unglaubliches Potential dazu, zur Deckung unseres Proteinbedarfs beizutragen.“ Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit würden regelmäßig Insekten verzehren – nur in der westlichen Welt fehle es an der Akzeptanz der Konsumenten. „Ich kann mir aber vorstellen, dass der Verzehr von Insekten mal hip werden kann – wie bei Sushi, das wollte in den 70ern und 80ern auch niemand essen “, sagt Rumpold.

Kein Wunder also, dass auch andere Unternehmen in Deutschland das Potential der essbaren Insekten erkannt haben. Gemessen am Umsatz ist „Snack Insects“ von Folke Dammann aus Witzeeze das größte. Seit 2013 gibt es den Onlineshop, der ganze Heuschrecken zum Kochen, geröstete Mehlwürmer in Schokoladenglasur oder auch Insektenkekse anbietet. Die Produkte importiert der 34-Jährige aus den europäischen Nachbarländern, „besonders Frankreich ist ein Vorreiter bei der Insektenzucht.“