Das Ridesharing-Start-up aus Darmstadt wird von Daimler übernommen. Der Autokonzern verstärkt sich in immer mehr Mobilitätssegmenten.

Eine halbe Million Kunden haben jetzt einen neuen Inhaber am Steuer: Das Darmstädter Start-up Flinc wurde vollständig von Daimler gekauft. Das Ridesharing-Start-up hatte sich seit 2011 darauf spezialisiert, Mitfahrer für kurze Strecken – etwa innerhalb einer Stadt oder zwischen benachbarten Regionen zu vermitteln. Zur Kaufsumme wurde nichts bekannt.

Flinc war aus einem Projekt an der Hochschule Darmstadt gestartet und konnte in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Kooperationen mit Unternehmen wie Bosch, DriveNow oder Opel verkünden. Daneben setzten Firmen wie Procter & Gamble oder Marc O’Polo die App des Start-ups ein, um Fahrtgemeinschaften an und zwischen ihren Standorten zu fördern. Im Juli 2015 stiegen die Deutsche Bahn und General Motors – damals noch die Opel-Mutter – als Investoren ein.

Jetzt gehen alle Anteile an Daimler Mobility Services. Das Start-up selbst soll unter dem Dach der Mobiltitätstochter jedoch eigenständig weitergeführt werden – die Gründer bleiben im Führungsteam. „Mit Flinc nehmen wir ein sehr gut eingespieltes Team auf, das wertvolle Erfahrungen im Bereich Mitfahren auf Kurzstrecken einbringt“, sagt Jörg Lamparter, der alle Mobilitätsdienste bei Daimler verantwortet. Glaubt man der Flinc-Homepage, war das Interesse aus Stuttgart am Darmstädter Unternehmen schon länger groß: Unter den neun meistgesuchten Mitfahrverbindungen auf der Seite starten fünf am Daimler-Hauptsitz in Stuttgart.

Hin zum „vernetzten Mobilitätsdienstleister“

Der traditionsreiche Autokonzern Daimler bezeichnet sich seit einigen Jahren als „vernetzten Mobilitätsdienstleister“. Eigene Projekte und Akquisen gehen bei dem Umbau des Unternehmens Hand in Hand. Schon seit einigen Jahren gehört etwa das stetig expandierende MyTaxi zum Unternehmen, auch der Carshaing-Dienst Car2Go hat sich am Markt etabliert. In diesem Jahr hat der Konzern noch einmal sichtbar investiert: Dazu zählten etwa die kürzlich bekannt gegebene Beteiligung an einer umfangreiche Finanzierungsrunde für das amerikanische Carsharing-Start-up Turo oder an der Finanzierungslösung Gravity.

Auch am Elektro-Hubschrauber Volocopter hat sich Daimler beteiligt – laut Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche gehört auch der “Traum vom Fliegen” jetzt zur Mobilitätspalette. „Bei neuen Projekten stellen wir uns immer zwei Fragen: Entwickeln wir das Geschäftsmodell in unserem Inkubator selbst oder gibt es bereits passende Lösungen auf dem Markt“, sagt Susanne Hahn, die bei Daimler die Innovationseinheit Lab1886 verantwortet. „Flinc ist der ideale Beschleuniger für Ridesharing-Lösungen – daran wollen wir jetzt gemeinsam arbeiten.“