Die Recruiting-Software macht Jobportalen und Headhuntern Konkurrenz – ausgerechnet zwei so angegriffene Unternehmen zählen zu den Investoren.

Mit einer HR-Software, über die Unternehmen ihre Mitarbeiter zu Headhuntern machen können, will Firstbird den Recruiting-Markt aufmischen. Zwei Jahre nach dem offiziellen Produktstart hat das in Wien ansässige Start-up nun zwei Millionen Euro bei Investoren eingeworben. Die Gesamtfinanzierung des 2013 gegründeten Unternehmens erhöht sich damit auf 3,5 Millionen Euro.

Zu den Geldgebern zählen ausgerechnet zwei Unternehmen, denen Firstbird potenziell Marktanteile abjagen kann. Sowohl die Kölner Personalberatung Kienbaum als auch Jobcloud – Betreiber des Schweizer Stellenportals jobs.ch – halten Anteile an dem Start-up. Letztgenanntes Unternehmen hat nun auch Geld nachgeschossen. Zu den Neuinvestoren gehören private Business Angels, die über die Netzwerke investiere.ch und European Super Angels Club (ESAC) organisiert sind.

„Mit dem frischen Kapital wollen wir unseren Vertrieb stärken und neue Kooperationspartner gewinnen“, sagte Firstbird-CEO Arnim Wahls im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Das Ziel: „Wir rechnen damit, in diesem Jahr profitabel zu werden.“ Dafür wolle man vor allem Großunternehmen von der Lösung überzeugen. Deswegen sollen nun auch weitere Sprachversionen in die Software Einzug erhalten. „Wir internationalisieren uns mit unseren Kunden“, sagt Wahls.

150 Großunternehmen als Kunden

Aktuell nutzen laut dem Gründer 2.000 Unternehmen Firstbird – darunter Sixt, Roland Berger und Deloitte. Den Angaben zufolge sind unter den Kunden 150 Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern. Wie viele Unternehmen insgesamt eine kostenpflichte Abo-Version der Software nutzen, verrät das Start-up nicht.

Das Konzept der Software: Über Firstbird können HR-Abteilungen Stellenausschreibungen an ausgewählte Mitarbeiter schicken. Die streuen das Angebot in ihrem persönlichen Netzwerk und können gezielt einzelne Personen für die Stelle vorschlagen. Belohnt werden erfolgreiche Empfehlungen mit Prämien, die der Arbeitgeber festlegt.

Wachsendes Team

Nach Einschätzung Wahls, auf dessen Lebenslauf auch Kienbaum als Station auftaucht, nutzen Unternehmen Firstbird als Ersatz für Personalberater und Ergänzung zu Stellenbörsen. Der Fokus liege dabei auf Positionen für Fachkräfte, mittlere Manager und Spezialisten. „Über klassische Stellenanzeigen lassen sich aktuell bestimmte IT-Fachkräfte kaum noch finden. Eine persönliche Empfehlung ist aber chancenreich.“

Firstbird selbst beschäftigt aktuell 33 Mitarbeiter. Das Team um das Gründertrio, zu dem auch Matthias Wolf und Daniel Winter gehören, soll in diesem Jahr wachsen. Erweitern will Wahls Funktionen, die Unternehmen helfen, Prämien für erfolgreiche Empfehlungen festzulegen. Ein zweiter Schwerpunkt bei der Weiterentwicklung sei das sogenannte Employer Branding. Dabei geht es darum, wie sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber positionieren – ein zunehmend wichtiger Bestandteil dabei sind Darstellungen der eigenen Mitarbeiter.