Ein Drittel aller deutscher Bankkunden könnte sich eine Anlage bei einem Fintech vorstellen. Etablierte Tech-Unternehmen haben da bei vielen Verbrauchern schon mehr Vertrauen gewonnen.

Eine gute Nachricht für deutsche Fintechs: Das Modell Hausbank hat für viele Bundesbürger ausgedient. Eine Umfrage zur Bankenwelt der Unternehmensberatung Bain (hier zum PDF) zeigt, dass viele Verbraucher gerade bei Produkten wie Krediten oder Versicherungen, die für die Anbieter höhere Margen versprechen als etwa das Girokonto, sich bereits nach Alternativen umschauen.

Immerhin ein Drittel der befragten Deutschen sei laut Studie bereits bereit, sein Geld bei Fintechs anzulegen. Die Zahlen von jungen Portalen wie Weltsparen oder N26, die auf vergleichsweise niedrigem Niveau sehr hohe Wachstumsraten aufweisen können, belegen diesen Trend. Auch zahlreiche hohe Finanzierungsrunden, wie sie etwa Kreditech in diesem Jahr vermelden konnten, zeigen, dass Investoren weiter an starkes Wachstum glauben.

Facebook, Apple und Co mit guten Chancen

Doch die aktuelle Studie birgt auch eine problematische Botschaft für Fintechs: Denn als wichtigste Angreifer auf die traditionellen Banken identifizieren die Berater nicht die jungen Digital-Firmen, sondern etablierte Tech-Unternehmen. Generell ist heute bereits jeder zweite Deutsche bereit, Finanzprodukte von ihm bekannten Tech-Firmen zu kaufen, die sie bereits heute nutzen. Damit bewegt sich die Zustimmung in etwa auf demselben Niveau wie in den USA oder in Südkorea.

Gute Voraussetzungen bringt dabei etwa eine Firma wie Paypal mit, die schon viele Verbraucher von Transaktionen im Netz kennen. Der Zahlungsdienstleister überraschte in dieser Woche mit einer Investition in Weltsparen – das deuteten einige Beobachter als Beginn, auch weitere Finanzprodukte auszurollen.

Auch Konzerne wie Amazon, Apple, Google oder Facebook, die in unterschiedlicher Intensität schon mit Zahlungsdienstleistungen experimentieren, haben laut Bain-Studie die größten Chancen, von der Wechselbereitschaft der Verbraucher zu profitieren. „Die Voraussetzungen für große Tech-Konzerne sind günstig“, sagt Bain-Partner Dirk Vater, „sie verfügen über eingespielte digitale Prozesse sowie etablierte Marken – und schon heute vertrauen ihnen Kunden auch persönliche Daten an.“