Einer neuen Studie zufolge drohen viele Fintechs zu scheitern, wenn sie keine Kooperationen mit etablierten Finanzdienstleistern aufbauen.

Angetreten als Konkurrenten von Banken, sind Fintechs zunehmend auf Kooperationen mit etablierten Finanzdienstleistern angewiesen, um sich am Markt durchzusetzen. Das ist das Fazit des World Fintech Report, den die IT-Beratung Capgemini zusammen mit dem Karrierenetzwerk Linkedin sowie dem Banken- und Versicherungsnetzwerk Efma erstellt hat. Ohne neue Partnerschaften, so warnen die Autoren, drohen die meisten Start-ups im Bereich der Finanztechnologie zu scheitern.

Der Grund dafür: Die Kundenbasis mit einem eigenen Vertrieb zu vergrößern ist teuer – und nach wie vor genießen Banken bei vielen Kunden ein höheres Vertrauen als Start-ups. „Drei Viertel der Fintechs sehen ihr primäres Geschäftsziel in der Zusammenarbeit mit traditionellen Finanzfirmen. Daher ist es unerlässlich, dass beide ihre Geschäftsmodelle für die Kooperation miteinander öffnen“, sagt Klaus-Georg Meyer, Leiter Business & Technology Consulting Financial Services Deutschland bei Capgemini.

Tatsächlich mehren sich die Meldungen über Kooperationsvereinbarungen zwischen Fintechs und etablierten Unternehmen – auch in Deutschland. Die ING-Diba beispielsweise bietet Kunden die Online-Vermögensverwaltung von Scalable Capital an und setzt auf den Versicherungsservice des Berliner Start-ups Clark. Die Hypovereinsbank arbeitet mit Moneymap zusammen, die Hamburger Sparkasse hat sich im Sommer am Robo-Advisor Investify beteiligt.

Größere Beweglichkeit gefordert

Einfach ist die Zusammenarbeit indes nicht immer. Im World Fintech Report gaben mehr als 70 Prozent der befragten Fintech-Führungskräfte an, dass ihre größte Herausforderung bei der Zusammenarbeit mit traditionellen Finanzunternehmen deren mangelnde Agilität sei. Gleichzeitig sind etablierte Banken stark mit sich selbst beschäftigt – aus ihrer Sicht gehört die Veränderung der internen Kultur zu den größten Herausforderungen.

Auch wenn die Studie die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit stark betont: Über mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten können sich Fintechs eher nicht beklagen. Den Daten zufolge haben seit 2009 weltweit mehr als 7500 Start-ups der Branche knapp 110 Milliarden Dollar bei Investoren eingeworben.