Wenig Sorgen vor den jungen Angreifern: Die Finanzbranche blickt ohne allzu große Sorgen auf Start-ups in ihrem Bereich – bewundert aber deren Geschwindigkeit.

Keine elementare Bedrohung: Experten von traditionellen Zahlungsdienstleistern beobachten die Arbeit von Fintechs ohne allzu große Sorgen. Das zeigt eine für die Branche repräsentative Studie unter 240 Fachleuten in Deutschland und Österreich, die das Beratungsunternehmen Bearing Point heute veröffentlicht hat. Nur sieben Prozent der Befragten sehen eine reine Bedrohung für das eigene Institut durch den Markteintritt von Fintechs. Immerhin 74 Prozent sehen sowohl Chancen als auch Risiken für das eigene Geschäft. Die verbleibenden 19 Prozent erwarten von den agilen Angreifern ausschließlich eine Bereicherung für die etablierten Marktteilnehmer.

Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass Fintechs sich auch auf lange Sicht insbesondere auf einzelen Dienstleistungen aus dem Gesamtpaket spezialisieren werden. Gerade bei neuen Themen wie der Blockchain oder der sofort umgesetzten Zahlungsabwicklung entstehen neue Instrumente bei den Start-ups der Branche. „Gemäß unserer Erfahrung sind neue Wertschöpfungspartnerschaften und strategische Allianzen notwendig, um diese teilweise komplexen digitalen Ökosysteme erfolgreich umsetzen zu können, sagt Christian Bruck, Partner bei Bearing Point.

Harte Zeiten für viele Fintechs

Als naheliegendste Themen für eine Zusammenarbeit wurden dabei in der Umfage die Zahlungsdienstleistungen selbst, Dienste zur Kontoinformation sowie Programme zur Legitimierung und Authentifizierung genannt. 85 Prozent der Befragten lobten das hohe Tempo bei der Produktentwicklung als wichtigsten Erfolgsfaktor der Fintechs. Trotzdem gab immer noch jeder dritte Befragte an, dass sein Institut aktuell nicht mit einem Fintech zusammenarbeitet und auch keine Kooperation plant.

In den kommenden Jahren erwarten die Vertreter der traditionellen Institute erst einmal eine deutliche Marktbereinigung, obwohl in den vergangenen Wochen und Monaten einige umfangreiche Finanzierungsrunden verkündet werden konnten. Insgesamt haben die Bearing-Point-Berater aktuell knapp 240 aktive Start-ups im Finanzbereich in Deutschland gezählt. Knapp zwei Drittel der Befragten sind überzeugt, dass in drei Jahren weniger als 20 Prozent dieser Fintechs noch aktiv sind.