Während global die Finanzierungen bei Fintechs zulegen, schwächelt der deutsche Markt. Einen Aufschwung spüren Start-ups, die nicht auf den Endkunden zielen.

Auf dem Weltmarkt läuft es: In Fintechs ist im zweiten Quartal dieses Jahres weltweit mehr als doppelt so viel Geld geflossen wie noch in den ersten drei Monaten 2017. Das zeigt die aktuelle Erhebung „Pulse of Fintech“ des Beratungsunternehmens KPMG. Für Deutschland vermerkt die Studie dagegen eines der schwächsten Quartale der vergangenen zwei Jahre.

Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch auch die Schwächen der vielen verschiedenen Erhebungen rund um das Thema: Die umfangreiche Kreditech-Finanzierung, die im Mai öffentlich wurde, scheint bei KPMG nicht in den Zahlen aufzutauchen – andere Marktbeobachter hatten sie für das zweite Quartal verbucht. Bei der Anzahl der Start-ups gleichen sich die Tendenzen dagegen wieder: KPMG meldet zehn abgeschlossene Runden, was im Schnitt der vergangenen zwei Jahre liegt.

B2B für Banken

Die KPMG-Berater beobachten jedoch für Europa im generellen und Deutschland im speziellen einen neuen Trend: Weil es einige Fintechs schaffen, selbst eine komplette digitale Bank werden, werden auch Start-ups interessanter, die sich auf Teilbereiche des Finanzgeschäfts konzentrieren. Dazu können zum Beispiel spezielle Dienstleistungen für Kunden gehören, wie es etwa Zinspilot mit seiner „Open-Banking-Platform“ anbietet.

Aber auch technische White-Label-Lösungen für den Zahlungsverkehr finden bei den etablierten Instituten dankbare Kunden. „Der Trend hin zu B2B-Anwendungen dürfte sich künftig noch verstärken, weil Banken gemerkt haben, dass sie ihre Kosten drastisch reduzieren müssen”, sagt KPMG-Partner Sven Korschinowski. „Denn als Wettbewerber treten zunehmend auch Fintechs mit Banklizenz auf den Plan, bei denen das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nur ein Drittel von dem bei einer klassischen Bank beträgt.“

Damit werden diese B2B-Fintechs schnell zum interessanten Partner für Banken oder andere Finanzinstitutionen. Die haben zuletzt Intensität und Geschwindigkeit von Kooperationen noch einmal deutlich verstärkt. In diesem Bereich sehen die Berater gerade auch für das dritte Quartal Potenzial ­– schließlich kommen neue regulatorische EU-Richtlinien auf die Finanzinstitute zu. Das werde für zusätzliche Aufmerksamkeit in diesem Bereich sorgen, ist Korschinowski überzeugt: „Auch bei Themen wie Blockchain, digitalen Währungen und rund um den Versicherungssektor dürfte sich bis Ende des Jahres noch einiges tun.“