Per Videochat ein Konto zu eröffnen ist bequem. Doch neue Regeln der Finanzaufsicht drohen das Verfahren unattraktiv zu machen. Das trifft vor allem Fintech-Start-ups.

Wer heute ein Konto oder Aktiendepot einrichten möchte, muss längst nicht mehr persönlich in der Bank vorsprechen. Auch der lästige Gang zum Postschalter, um seine Identität nachzuweisen, muss nicht mehr sein. Denn statt dieses Postident-Verfahren zu nutzen, kann ein Kunde sich seit einiger Zeit auch per Videochat online identifizieren. Er muss dabei nur einige Angaben machen und seinen Ausweis in die Kamera halten.

Diese Variante ist durchaus beliebt: Bei der ING-Diba legitimiert sich schon jeder fünfte Neukunde auf diese Weise, bei Finanz-Start-ups sogar eine große Mehrheit. „Bei uns sind es 80 Prozent“, sagt beispielsweise Valentin Stalf, Chef des Berliner Fintech-Start-ups Number26.

Kundenangaben sollen in sozialen Netzwerken überprüft werden

Doch die Finanzaufsicht BaFin droht den Aufbruch in die moderne Bankenwelt jetzt auszubremsen. Sie hat gerade in einem Rundschreiben die Anforderungen an das Videoidentifizierungsverfahren deutlich verschärft, um Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu erschweren. So fordert die Behörde unter anderem, „die Identität und die vom Kunden gemachten Angaben auf der Grundlage von zusätzlichen öffentlich zugänglichen Daten und Informationen (etwa im Internet oder in sozialen Netzwerken)“ zu überprüfen.

Sollen die Banken also die Facebook-Accounts ihrer Neukunden ausforschen? Und was ist, wenn diese gar keine sozialen Netzwerke nutzen oder dort bewusst andere Namen oder Angaben zu Geburtstag oder Wohnort machen? „Es ist völlig schleierhaft, wie das funktionieren soll“, sagt Oliver Vins, Gründer des Frankfurter Fintech-Start-ups Vaamo, der Geld per Algorithmus anlegt. Auch verschiedene Banken und die fünf Bankenverbände fordern eine Konkretisierung und stellen infrage, ob die deutschen Datenschutzregeln solch eine Recherche überhaupt zulassen. „Wir können dazu keine konkreten Handreichungen geben“, erklärt die BaFin lapidar.

Für Ärger sorgt auch eine weitere Neuerung: Bevor die Kontoeröffnung abgeschlossen ist, muss der Kunde von einem EU-Konto aus als weitere Legitimation mindestens einen Cent einzahlen. „Das schließt junge Menschen, die ihr erstes Konto eröffnen, oder Kunden aus Nicht-EU-Ländern generell aus“, kritisiert Vaamo-Chef Vins, der auch die Fachgruppe Fintech im Bundesverband Deutsche Start-ups leitet. Er fürchtet, dass die zusätzliche Hürde 20 bis 30 Prozent der potenziellen Neukunden während der Kontoeröffnung abspringen lässt.