800 Millionen erhielten Berlin Start-ups im ersten Quartal. Die Vorjahressumme könnte fallen, denn es gab wieder große Finanzierungsrunden.
Den Traum, ein eigenes Start-up zu gründen, hegen viele. Doch wie geht das eigentlich? Unsere Autorin wagte beim Start-up Weekend einen Selbstversuch und erfuhr dabei, dass man auch vermeintlich gute Ideen zur Not komplett umwerfen muss.

Das hat nun auch MyLorry getan. Die Berliner gehörten 2013 zum ersten Jahrgang des Microsoft-Accelerators und hatten Sofortlieferungen angeboten. „Same Day Delivery“ war und ist zwar ein großer Trend, trotzdem kündigte MyLorry nun die „Stilllegung von unserem Kurierservice“ an. Grund ist allerdings der Erfolg von Food Express. Er bietet Restaurants einen Lieferdienst an und bewegte Delivery Hero zu einem zweistelligen Millioneninvestment. Der erst 2013 gegründete Dienst ist mittlerweile in sechs Städten vertreten, bis zum Ende des Jahres sollen es zwischen zwölf und 15 sein.

Für neue Start-ups ist der nächste Schritt nach der Idee, die leidige Finanzierungsfrage. Wer dabei zufällig mal nicht aus den Samwer-Fabriken kommt oder potente Business Angel kennt, versucht es oft mit Crowdfunding. Allerdings hat der Bundestag mit dem Kleinanlegerschutzgesetz dafür neue Regeln verabschiedet. Der Ursprungsentwurf hatte in der Branche zu einem Aufschrei geführt, der Bundesverband Deutsche Start-ups warnte gar vor „einem kompletten Verschwinden des Crowdfundings“.

Die Kritik zeigte Wirkung, die Daumenschrauben wurden deutlich gelockert – so wurde die Grenze für die Prospektpflicht auf 2,5 Millionen Euro angehoben, die Investitionsbegrenzung für Anleger auf 10.000 Euro gekippt und vor allem die geplante Einführung eines zu unterschreibenden Formulars abgeschafft. Doch einige Kritikpunkte bleiben.

800 Millionen im ersten Quartal

Dabei fällt das Geldeinsammeln Start-ups derzeit so leicht wie nie. Allein im ersten Quartal 2015 gab es nur für Berliner Start-ups Finanzierungsrunden über insgesamt 800 Millionen Dollar, wie „Berlin Startup Girl“ Katie Moore auflistet. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2015 waren es dagegen „nur“ 1,1 Milliarden – diese Summe könnte schon in diesem Quartal fallen.