Junge Tech-Unternehmen brauchen 40 Prozent mehr Geld als noch vor einem Jahr, zeigt eine Umfrage. Doch der Optimismus unter den Gründern ist hoch. Ein Datenpunkt macht jedoch Sorgen.

Die Träume sind oft groß – doch das Loch auf dem Konto wird täglich größer: Start-ups benötigen zunehmend mehr Geld, um ihr mittelfristiges Bestehen zu sichern. Das zeigt eine Erhebung des Digitalverbands Bitkom unter 302 IT- und Internet-Start-ups. Im Durchschnitt rechnet demnach jedes junge Unternehmen mit einem Kapitalbedarf von 3,1 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren.

Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren: 2017 ergab eine vergleichbare Befragung einen Wert von 2,2 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es sogar 2,4 Millionen Euro. Unklar ist dabei, ob die durchschnittliche Unternehmensgröße der befragten Start-ups steigt: Je mehr Mitarbeiter und Infrastruktur ein Unternehmen benötigt, umso mehr Geld fehlt – weil gerade in den ersten Jahren der Fokus in der Regel häufig eher auf Wachstum denn auf Profitbalität gelegt wird. In der aktuellen Befragung benötigen Start-ups mit bis zu drei Mitarbeitern beispielsweise im Schnitt nur 400.000 Euro, Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern dagegen mehr als 10 Millionen Euro.

Angst vor Ausfällen leicht gestiegen

Der Großteil der Gründer ist jedoch – ebenfalls wie im Vorjahr – optimistisch, dass das benötigte Kapital zusammenkommt: Jedes vierte Start-up hat die Finanzierung bereits gedeckt. Von den verbliebenen Unternehmen sind knapp 80 Prozent sicher, dass sie die Aufgabe, das Geld von strategischen oder institutionellen Investoren einzusammeln, stemmen werden können.

Leicht gestiegen im Vergleich zum Vorjahr ist jedoch der Anteil derer, die eine Finanzierung für eher unwahrscheinlich (15 statt 12 Prozent) oder sehr unwahrscheinlich (5 statt 2 Prozent) halten. Bitkom, eine Interessensvertretung der IT- und Digitalwirtschaft, nimmt daher die Politik in die Pflicht – und fordert gemeinsam mit den Gründern etwa einen leichteren Zugang zu und eine geringere steuerliche Belastung von Risikokapital.

Insbesondere die Situation bei ersten Finanzierungsrunden, die häufig im sechsstelligen oder niedrigen siebenstelligen Bereich liegen, habe sich verbessert, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Anders sieht es bei späteren Runden aus: „Weiterhin schwierig ist die Finanzierung in der Wachstumsphase, wenn ein- oder auch zweistellige Millionenbeträge nötig sind“, sagt Berg.

In der jüngeren Vergangenheit gab es dafür durchaus auch Gegenbeispiele: FinCompare, ein Portal für Unternehmensfinanzierung, sammelte gestern 10 Millionen Euro ein, das Kindermode-Portal Tausendkind verbuchte 15 Millionen Euro, der Getränke-Lieferdienst Flaschenpost erhielt kürzlich 20 Millionen Euro und die Berliner Smartphone-Bank N26 konnte im März sogar 130 Millionen Euro verbuchen. Vor allem die Fintech-Beispiele seien ein gutes Zeichen, so Berg. Dennoch: „Hier hinkten wir im Vergleich zu den USA, Israel oder auch China bislang hinterher.“