Der Gründer-Campus in Berlin Mitte soll das weltweit wichtigste Netzwerk für Innovationstreiber aus alter und neuer Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien werden.

Die Berliner Factory hat in ihrer Anfangsphase Start-ups Büroraum angeboten, um ihnen das Arbeiten im Umfeld anderer Gründer zu ermöglichen. Mittlerweile hat sie für etablierten und junge Unternehmen eine Plattform für gegenseitige Inspiration und Vernetzung geschaffen und versteht sich selbst eher als Business Club. Der Musikdienst Soundcloud und das Dienstleistungsunternehmen Uber sind nur Beispiele namenhafter Start-ups, die sich in der Factory niedergelassen haben. Aber auch die Deutsche Bank, Schaeffler und die Nürnberger Versicherung sind seit kurzem Partner der Factory. Wie funktioniert die Kooperation zwischen Old und New Economy?

Der Gründer und CEO der Factory Udo Schloemer über die Ignoranz von Managern, die Kraft von Disruption und neue Standorte in Berlin.

Herr Schloemer, Sie selbst bezeichnen die Factory als Business Club. Was unterscheidet sie von einem klassischen Coworking Space?
Es ging von Anfang an nicht nur um Coworking. Wir haben schnell festgestellt, dass ein Coworking Space eigentlich doch eher eine feste Arbeitseinheit ist. Deshalb haben wir unser Modell geändert und aus unserem Coworking Space den ersten Business Club für Start-ups gemacht. Wir bringen Gründer, Investoren, Freelancer und etablierte Unternehmen zusammen. In unserem 1.000 Quadratmeter großen „Community Space“ bieten wir flexible Arbeitsplätze und Meetingräume an. Das Factory-Gebäude ist der Ort, an dem unsere Mitglieder zusammenkommen, sich austauschen, arbeiten und unsere Veranstaltungen besuchen.

Welche Angebote bekommen Mitglieder des Business Clubs?
Wir bieten unseren Mitgliedern eine Plattform für die gegenseitige Vernetzung und Zusammenarbeit, haben Meet and Pitches, Fireside Chats mit den bekanntesten Köpfen der internationalen Startup-Szene oder von unseren Mitgliedern organisierte Meetups. Wir sind also kein Coworking-Space, sondern eine Community, in der es sich auch ganz angenehm arbeiten lässt.

Wie kam es zur Gründung der Factory? 
Aus dem Erlös einer verkauften Firma haben meine Frau und ich vor einigen Jahren begonnen, in Start-ups zu investieren. Wir haben gemerkt, dass das Start-up-Ökosystem gut wächst, aber dass die etablierten Unternehmen die Digitalisierung verschlafen. Daraus folgte die Idee, die etablierten Konzerne und mittelständischen Unternehmen mit den Start-ups zusammen zu bringen, damit beide voneinander lernen können.

Funktionierte der Plan sofort?
Wir hatten erst Probleme, diese beiden Arten von Unternehmen zusammenzubringen, weil die Etablierten die Start-ups nicht ernst genommen haben. Also haben wir den Start-ups mit der Factory erst einmal einen Raum gegeben, in dem sie gemeinsam neue Ideen entwickeln können, um sich eine ernst zu nehmende Reputation zu erarbeiten. Wir haben Politik, Wissenschaft und Universitäten eingebunden, denn die Vision war von Anfang an relativ klar: Menschen aus verschiedenen Bereichen gründen neue Firmen.

Was bedeutet für Sie Innovation? 
Wir glauben eher an Disruption als an Transformation. Vieles was besteht, wird künftig in Frage gestellt und alle Zielgruppen unter einem Dach können mehr verändern. Es ist nach wie vor unsere Vision, eine Plattform zu bauen, auf der neue Ideen entstehen, um den Standort Deutschland nachhaltig zu digitalisieren.

Ziehen immer noch mehr Start-ups als etablierte Unternehmen in die Factory ein?
Seit letztem Jahr hat sich etwas verändert. Davor kamen deutlich mehr Start-ups, aber mittlerweile haben wir viele Partnerschaften mit etablierten Unternehmen, weil sie das Thema Digitalisierung inzwischen ernster nehmen. Zu unseren Corporate-Partnern zählen zum Beispiel die Deutsche Bank, Schaeffler und die Nürnberger Versicherung.