Das Silicon Valley in Kalifornien ist der Ort, an dem Trends gesetzt werden und reihenweise neue Unternehmen entstehen. Wer hier den Durchbruch schafft, der wird es überall schaffen. Mittendrin, im German Silicon Valley Accelerator, hat das deutsche Startup Fair Observer Wurzeln geschlagen. Im Gründerraum berichtet Jungunternehmer Fabian Neuen, welche Fehler er in der Startphase gemacht und was er daraus gelernt hat.

Jeder Unternehmer begeht Fehler. Erstgründer besonders viele. Und wir können uns nicht rühmen, eine Ausnahme dieser Regel zu sein. Wenn ich unsere Gründungsphase reflektiere, so stelle ich fest: Unsere bis dato größten Fehler beim Aufbau unseres Online-Journals Fair Observer hatten mit Menschen zu tun.

FAirObserver

[caption id=”attachment_2180″ align=”alignnone” width=”430″ caption=”Fabian Neuen, Atul Singh und Christian Becker bauen den Fair Observer vom Silicon Valley aus auf

Lektion Nr. 1: Nicht bedrängen und einlullen lassen

Nachdem mein Mitgründer Atul Singh und ich Fair Observer aus der Taufe gehoben haben, haben wir viel Zuspruch aus unserem Umfeld bekommen. In diesem Rahmen hat sich ein Bekannter besonders in den Vordergrund gedrängt und ist bald Teil des Gründerteams geworden. Es war keine gesegnete Beziehung und wir haben uns getrennt. So eine Trennung ist nicht leicht und für alle ärgerlich. Mein Fazit: Überlege dir sehr genau, mit wem du zusammen arbeitet. Nicht jeder, der dich und deine Idee mit Lob einlullt, passt auch zu deinem Unternehmen. Es kommt vielmehr darauf an, dass er das Team gut ergänzt und die Idee mit lebt.

Nach der Ternnung hatten wir Glück: Ende 2011 haben wir uns entschlossen einen guten Freund, Christian, als dritten Mitgründer und Leiter Business Development an Bord zu holen. Christian komplettiert das Gründerteam in einer ganz besonderen Art und Weise: Er ist Arzt, hat als Unternehmensberater viel Erfahrung gesammelt (wir haben uns während eines gemeinsamen Projekts in Bihar, Indien, kennengelernt). Auf eine Art und Weise, die vor allem Ärzten gemein ist, kann er Menschen für sich gewinnen und Stimmungen erspüren, die von uns Normalsterblichen nicht bemerkt werden würden. Gepaart mit einer hohen persönlichen Integrität und einem unglaublichen Humor ist Christian eine ideale Bereicherung für unser Team.

Lektion Nr. 2: Keine Blankoschecks für Faulenzer

Unser Team war damit aber keinesfalls komplett – denn mit meinem Mitgründer Atul habe ich genau den einen Inder herausgepickt, der nicht programmieren kann :). Da auch ich eher Anwender als Entwickler bin, fehlte uns die geballte IT-Kompetenz. Entsprechend sind wir einem fatalen Rat gefolgt und haben die Programmierung für die alpha- und beta-Seite an Outsourcingpartner herausgegeben. Dies war ein wahnsinnig teures Mißverständnis: wir haben viel Geld versenkt für eine unfertige IT-Lösung.

Im Nachhinein müssen wir uns ob unserer Naivität an unsere eigene Nase packen: Wer kommt noch auf die Idee, IT-Verträge zeit- und nicht meilensteinbasiert zu unterschreiben? Das kommt einem Blankoscheck für Faulenzer gleich. Da wir uns bislang aus Erspartem finanzieren ist diese Erkenntnis besonders bitter. Wie wir im Valley gelernt haben, steigert diese Einsicht interessanterweise unseren Marktwert, denn: jemand (also in diesem Fall wir) hat für unsere Lernkurve bereits bezahlt. Und eines steht fest: Das wird uns bestimmt nicht noch einmal passieren…

Lektion Nr. 3: Gute Programmierer gibt es wie Sand in der Bay Area. Nicht.

Spätestens nachdem wir gelernt haben, dass ein fehlender Programmierer ein K.O.-Kriterium für Wagnisfinanzierer im Valley sei, haben wir uns auf die Suche nach einem CTO gemacht. Welch besseren Ort als das Silicon Valley gibt es, mitsamt der Kaderschmieden Stanford und Berkeley?

Das Lachen anderer ausländischer Gründer hätte nicht lauter und schallender sein kein können. Schnell wurden wir aufgeklärt: 23-jährige Stanfordabsolventen werden von Google gerne für 150.000 bis 200.000 Dollar direkt vom Campus abgeworben. Die anderen machen sich selbständig und sind damit auch nicht als potenzielle Kollegen verfügbar. Von mehreren Seiten erfuhren wir den sehr ernstgemeinten Rat, dass wir einen von uns drei Gründern bestimmen sollten, um programmieren zu lernen. Binnen sechs Monaten wäre er dann produktiv. Unsere Reaktion als ungläubig zu bezeichnen wäre sehr schmeichelhaft…

Es musste anders gehen.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang im Valley: Das Gründerteam morgens nach einer durchgearbeiteten Nacht

In Deutschland haben wir von vielen anderen Gründern gehört, dass sie sich in Osteuropa nach guten Programmierern umschauen. In einem Analogieschluss dazu haben wir den Mittleren Westen der USA mit unseren Recruitinganzeigen beglückt. Also genau die vergessene Gegend, wenn es um IT-Nachwuchs in den Staaten geht. Wir waren überrascht – viele junge Leute folgten dem Lockruf des Silicon Valley und bewarben sich bei uns.

Wie so häufig liegt das Glück aber dann doch deutlich näher. Unser Mitbewohner von einem anderem deutschstämmigen Startup schloss sich uns an. So haben wir kürzlich unseren CTO gefunden. Schon wieder eine kritische Aufgabe gelöst!

Fortsetzung folgt.

Übrigens: Neben den Erfahrungsberichten hier führen wir ein englischsprachiges Tagebuch.


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