Drinks als Mahlzeitersatz sind ein Trend von Food-Start-ups. Doch neben immer mehr Wettbewerbern werden Positionierung am Markt und Finanzierung zur Herausforderung.

Im Studium fehlte die Zeit – ständig! Je weiter die Semester voranschritten und je mehr Prüfungen hinzukamen, desto schlimmer wurde es. Erst fehlte die Zeit zum Kochen, dann für die Kantine und schließlich selbst für Fast Food. Für den ehemaligen Medizinstudenten Gennadi Schechtmann und seinen Mitgründer, den einstigen Chemiestudenten Timon Ortloff, mündete diese eigentlich unangenehme Situation jedoch wider Erwarten nicht in einer Katastrophe, sondern in einer Geschäftsidee: „Wir wollten ein Produkt entwickeln, mit dem man sich schnell und gesund ernähren kann – ähnlich wie mit Soylent“, sagt Schechtmann, Gründer und Geschäftsführer von Trinkkost.

Amerikanische Start-ups als Vorrreiter

Das US-Start-up Soylent setzte 2013 einen Trend in Gang: Pulvernahrung zum Anrühren als Mahlzeitersatz – nicht etwa als Proteinbooster in Mukkibuden oder als Diätmittel, sondern als Mittel der Selbstoptimierung: Wer aufstrebt, ist ständig in Zeitnot und lebt einen Lifestyle, der nur noch begrenzt Raum für Kochen und Genuss lässt. Soylent spinnt das Narrativ um die Typen Tech-Nerd und Durchstarter im Silicon Valley.

Ähnlich klingen die Gründungsgeschichten deutscher Folgeprodukte. Im Fall Trinkkost sind es gestresste Studenten kurz vor dem Abschluss und Junior-Professionals. Oder Runtime, das sich zunächst an Gamer richtete, die, stundenlang an den Computer gefesselt, eine schnelle Ernährungslösung brauchen. Trinkkost und Runtime sind nur zwei von vielen deutschen Start-ups, die in der Nachfolge von Soylent unterwegs sind – typisch für Deutschland, sagt der auf Food spezialisierte Angel-Investor Wolf Michael Nietzer im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer: „Leider gilt, was so oft gilt: Deutschland entwickelt vieles mit Blick auf die USA. Neue Rocket Science kommt nicht von hier. Erst in Soylents Folge sind deutsche Pendants auf den Markt gekommen.“

Anpassung an die deutschen Vorlieben

Doch ganz so einfach war es für Trinkkost nicht. Die Idee war zwar vorhanden, doch sie muss den deutschen Marktvorlieben angepasst werden. Trinkkost spielt dafür die Bio-Karte: Schechtmann und Ortloff setzen auf natürliche Lebensmittel wie getrocknete Früchte und Gemüse. Mit Nüssen und Samen ergänzen sie das Pulver, bis die richtige Konsistenz und Nährwertbilanz erreicht sind. „Um auf diese Weise eine ausgewogene Ersatzmahlzeit zu kreieren, mussten wir viel recherchieren“, sagt Schechtmann. Nach einem Jahr erfüllte die erste Rezeptur die Anforderungen an die Inhaltsstoffe, aber das Start-up- bestand den internen Marktzugangstest nicht: „Es hat den Leuten einfach nicht geschmeckt“, erinnern sich die Gründer. Ein weiteres Jahr in einem Aachener Co-Working-Space mit Rezeptangleichungen und Blindverkostungen folgte  – bis zum offiziellen Produktstart im Juni 2016.