Deshalb lautet die Devise der Code University: Findet doch selbst heraus, welche Inhalte ihr für welches Projekt genau braucht. Die Idee ist, auf Anfrage der Studierenden Vorlesungen und begleitende Kurse anzubieten. Für das Studium bezahlen sie insgesamt knapp 27.000 Euro. Angelegt ist es auf drei Jahre, kann aber auch ein paar Semester länger dauern. Am Ende gibt es den Titel Bachelor of Arts – die Note allein basierend auf der wissenschaftlichen Abschlussarbeit und einem Projekt – und eine lange Liste an Projektreferenzen mit einschlägigen Namen: Facebook, Zalando und Trivago gehören zu den Partnerunternehmen der Code University.

Ein richtig guter Softwareentwickler zeichnet sich nach Meinung von Dolderer zu 50 Prozent durch hartes Technikwissen und zu 50 Prozent durch Softskills aus: darunter Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, die richtigen Fragen zum jeweiligen Problem zu stellen. In der Teamarbeit lernten die Studierenden, sich selbst und die Gruppe zu beobachten. Nur so entstehe Lernfähigkeit und die Gabe, Fehler zu finden und zu beseitigen.

„Das Problem ist, dass diese Softskills bei gewöhnlichen Ausbildungs- und Studienprogrammen oft völlig außen vor gelassen werden“, so Dolderer. Spezialisiertes Fachwissen, zum Beispiel über Programmiersprachen lasse sich relativ einfach kompakt vermitteln. „Aber die Fähigkeit, im Team komplexe digitale Produkte mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu entwickeln, hat viel mit Kommunikation und kritischer Urteilsfähigkeit zu tun“, sagt der Hochschulpräsident. „Diese Form von Bildung kann kein Online-Kurs der Welt ersetzen.“

Welt des digitalen Lernens

Die digitale Lernplattform Udacity will trotzdem Mitmischen in der Ausbildung von Softwareentwicklern. Auch die Code University greift für einzelne Lerneinheiten auf das Online-Angebot von Udacity zurück. Das Bildungsportal stammt aus dem Silicon Valley und bietet kostenlose Kurse an. Beispielsweise können sich Anfänger innerhalb von sieben Tagen Basiswissen zur Apple-Programmiersprache Swift beibringen, mittels Übungen und Quizfragen. Neben den kostenlosen Inhalten wirbt Udacity mit sogenannten Nanodegree-Programmen. Das Versprechen: Zum Beispiel mit dem Kurs „Programmieren für Anfänger“ innerhalb von fünf Monaten erste Schritte als Webentwickler zu gehen. Kostenpunkt: knapp 400 Euro.

„Wir maßen uns nicht an, dass wir nach drei Monaten einen fertigen Entwickler produzieren“, sagt Nicolas Dittberner, Regional Manager Europe bei Udacity. In Europa nehmen laut des Managers jeden Monat 5.000 Menschen aktiv am Nanodegree-Programm teil – die Online-Plattform sei ein Angebot für lebenslanges Lernen, also in erster Linie begleitend zum Job. „In der Start-up-Welt geht es oft darum, die gefragten Programmiersprachen zu können und gute Praxiserfahrung zu besitzen“, sagt der 37-Jährige. „Fachliche Vorgesetzte sehen in der Regel ganz genau das Portfolio des GitHub-Accounts an oder fragen nach Projekten, an denen der Kandidat mitgearbeitet hat.“ Sauber programmieren und schnell Probleme durchdringen, das mache einen guten Programmierer aus, so die Meinung von Dittberner.

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