Viele Telemedizinangebote setzen auf Videosprechstunden. Die haben Sie anfangs auch angeboten – warum jetzt nicht mehr?
Nur ein Prozent der Patienten haben die Videosprechstunden vorgezogen. Für uns waren diese ebenfalls nachteilig, da sie aktuell nicht voll erstattet werden und die Kosten nach oben treiben. Der Mehrwert hält sich zudem in Grenzen. In Fällen, in denen Ärzte beispielsweise einen Ausschlag begutachten wollen, können wir auch mit Fotos arbeiten. Im Übrigen hat der Fragebogen einen weiteren Vorteil: Es ist sichergestellt, dass vom Patienten immer alle relevanten Informationen abgefragt werden.

Bei und für DrEd arbeiten 20 Ärzte, die 100.000 Konsultationen im Monat abarbeiten. Da bleiben im Schnitt etwa zwei Minuten pro Fall. Wie erreichen Sie diese enorme Schlagzahl?
Unsere Ärzte werden von einer Software unterstützt, die mit den Patientenangaben aus den Fragebögen arbeitet. Der Computer gibt Empfehlungen, letztlich entscheidet aber in jedem Fall ein Arzt.

Sie sagten eingangs, dass Telemedizin nicht bei allen Beschwerden sinnvoll ist. Aktuell besetzen Sie 50 Behandlungsfelder – ist das Potenzial damit ausgeschöpft?
Nein, bei Weitem nicht. Bei Ärzten vor Ort sind es etwa 1200 bis 1400 Behandlungsfelder, Telemedizinanbieter in etablierten Märkten wie der Schweiz oder den USA besetzen schon etwa 700. Entsprechend arbeiten auch wir daran, unser Angebot kontinuierlich auszuweiten. Pro Monat kommen im Moment etwa fünf Behandlungsfelder hinzu. Hier werden wir deutlich an Geschwindigkeit aufnehmen.

Planen Sie parallel eine Expansion in weitere Länder?
Aktuell gibt es zwei konkrete Überlegungen. Entweder wir gehen nach Spanien, Italien und Skandinavien. Oder aber in die USA. Beides zeitgleich kann man aus unserer Sicht nicht stemmen. Die Patienten haben zwar überall dieselben Krankheiten, aber die Gesundheitssysteme und gesetzlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich von Land zu Land sehr stark.

Die Expansion kostet Geld. Müssen Sie dafür neues Kapital aufnehmen?
In unseren Kernmärkten können wir aus eigener Kraft wachsen – wir sind seit 2014 profitabel. Aber tatsächlich planen wir für die Expansion im dritten Quartal eine Finanzierungsrunde. Die Bedingungen sind gut, denn viele Investoren haben das enorme Wachstumspotenzial von Telemedizin erkannt.

In England firmieren Sie nicht mehr als DrEd, sondern als Zava. Die Umbenennungen ist auch für die anderen Landesseiten geplant. Warum dieser Schritt?
Unter dem Namen Zava sind wir ursprünglich in Frankreich gestartet. Das leitet sich aus „Ça va“ – „Wie geht’s?“ – ab. Das transportiert gut, dass wir dem Patienten auf Augenhöhe begegnen wollen. Der alte Name war im Rückblick ungünstig gewählt. Zum einen haben uns die Leute immer gefragt, wer denn DrEd ist. Dabei steckte dahinter eigentlich der Name einer Arztpraxis. In England gab es außerdem eine unvorteilhafte Assoziation: In einer Fernsehserie aus den 60er Jahren hieß eine Hauptfigur „Mister Ed“. Das war ein sprechendes Pferd.

Vielen Dank für das Gespräch.