Das E-Health-Start-up sucht per Online-Anzeige einen neuen Investor. Was dahinter steckt, verrät Gründer Paul Brandenburg im Interview.

Mit einem ungewöhnlichen Schritt ist Dipat in das neue Jahr gestartet. Das in Leipzig ansässige Start-up, das digitale Patientenverfügungen anbietet, sucht per Online-Anzeige einen neuen Gesellschafter. Darin heißt es: „Rockstar zu verkaufen: DIPAT sucht letztmalig Miteigentümer.“ Interessenten werden gebeten, sich per Mail zu bewerben. Sie sollen einen frei gewählten Investitionsvorschlag und ihren gewünschten Prozentsatz an Geschäftsanteilen angeben.

Was sich hinter der Online-Suche verbirgt, erklärt Geschäftsführer und Firmengründer Paul Brandenburg im Interview.

Herr Brandenburg – potenzielle Gesellschafter zu einer Bewerbung aufzufordern, ist höchst unüblich. Warum dieser Schritt?
Wir befinden uns gerade in unserer zweiten Finanzierungsrunde. Dabei haben wir festgestellt, dass es in unserer Phase extrem schwierig ist, professionelle Investoren zu finden. Mit der Anzeige wollen wir Unternehmer erreichen, die sich in der Branche auskennen, bisher möglicherweise aber nicht als Investoren aufgetreten sind.

Dipat hat erst im September eine „klassische“ Finanzierungsrunde abgeschlossen. Offenbar gelang das Werben um Investoren also schon einmal – warum ist es jetzt schwieriger?
Gründer finden nach meiner Beobachtung in der Startphase relativ leicht staatliche Instituten, die Förderungen vergeben. Bei uns ist das der Technologiegründerfonds Sachsen. Das Problem vieler Start-ups ist die Anschlussfinanzierung: Private Venture Capital-Unternehmen in Deutschland investieren gerne erst in Wachstums- und Spätphasen. Und sie sind auf bekannte Geschäftsmodelle fokussiert. Ich habe das Gefühl, da wird lieber der x-te Pizza-Lieferdienst gefördert, als eine echte Innovation.

Wie sieht es mit Konzernen als Geldgeber aus?
Für unser Produkt wäre eine Versicherung ein idealer Verbündeter – also habe ich die angesprochen. Das Interesse war auch durchaus da. Aber die Prozesse ziehen sich in vielen Großunternehmen lange hin. Die Verantwortlichen haben mir zum Teil gesagt, dass es zwei bis vier Jahre dauert, um intern eine Investitionssumme freizumachen. Wir können ja nicht einfach solange die Beine hochlegen!

Haben sich denn auf die Annonce hin schon potenzielle Investoren gemeldet?
Erfreulicherweise mehrere. Und auch bei institutionellen Investoren in Kalifornien sind wir auf offene Ohren gestoßen. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Ende unter mehreren Angeboten eine Wahl haben. Idealerweise finden wir einen Investor, der nicht nur Kapital, sondern auch Branchen-Expertise mitbringt.

Für die Anzeige legen Sie in einem Datenblatt einige Zahlen offen. So lässt sich ablesen, dass das Unternehmen 2018 mit einem Verlust von über 430.000 Euro rechnet. Hatten Sie Bedenken, die Zahlen zu veröffentlichen?
Es gab im Gesellschafterkreis Diskussionen darüber, weil es nicht den Gepflogenheiten entspricht. Aber letztlich sind das Informationen, die sich Profis anhand von Handelsregister-Auszügen und unseren Medienveröffentlichungen auch zusammenreimen können. Und einen Breakeven nach zwei Jahren zu versprechen, wäre schlicht unrealistisch. Ich plädiere grundsätzlich für mehr Transparenz. Wieso werden beispielsweise Investmentverträge nicht veröffentlicht? Das aktuelle System hilft nur der kleinen Gruppe der Berufsinvestoren.

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