Avatarion hat einen Roboter programmiert, der schwerkranke Kinder im Unterricht vertritt. 2016 startet das Unternehmen in Deutschland.

Neulich auf der Medizin-Messe „Medica“ in Düsseldorf: Auf einem kleinen weißen Tisch tanzt ein Roboter, kaum größer als ein Baby, zu den Klängen des Ohrwurms „Gangnam Style“. Viele Besucher bleiben stehen, zücken ihr Smartphone und filmen den kleinen Kerl. Er hebt rhythmisch den eckigen Kopf, wedelt mit den Plastikarmen und wackelt mit dem künstlichen Gelenk. „Was ist der medizinische Nutzen dieses Roboters?“, fragt einer der Zuschauer. „Er integriert kranke Kinder wieder in die Gesellschaft“, antwortet sein Erschaffer, ein Mann mit runder Brille und buschigen Koteletten. Philipp Mahler, 32, hat den Roboter programmiert und schaut ihn bei Präsentation stolz an, als wäre er sein eigenes Kind.

Der gebürtige Wiesbadener hat in diesem Jahr das Start-up Avatarion gegründet. Sein Produkt präsentiert er an diesem Mittwoch erstmals in Deutschland: ein Roboter, der stellvertretend für schwerkranke Kinder in der Schulklasse sitzen soll und mit dem ein Patient vom Krankenhaus aus am Unterricht teilnehmen kann. Mahler zeigt auf den Kopf des Avatars: Dort ist ein Smartphone festgemacht, das Bild und Ton der Umgebung aufzeichnet. „Das Kind im Krankenhaus kann über ein Tablet sehen, was in der Klasse passiert und zum Beispiel Aufgaben mitrechnen“, erklärt Mahler.

Sein Unternehmen entstand Anfang dieses Jahres als Ableger der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, einer Elite-Universität in der Schweiz. Dort hat Mahler Informatik und Betriebswirtschaftslehre studiert. In dem Schweizer Bildungszentrum „kindercity“, das Kindern Wissenschaft und Technik spielerisch beibringen soll, machte Mahler mit anderen Wissenschaftlern eine Show mit kleinen Robotern. Die kleinen Humanoide heißen „Nao“, haben ähnliche Proportionen wie ein kleiner Mensch und kommen vom französischen Roboterhersteller Aldebaran Robotics. Der Nao ist das Standardmodell für den RoboCup, einen jährlichen Wettkampf für Roboter, die unter anderem beim Fußball gegeneinander antreten.