Mit Investoren ist es wie mit Männern, findet Meike Haagmans: Am Ende zählt das Bauchgefühl.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene.  Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Mit Investoren ist es wie mit Männern. Sucht man nicht, findet man sicher den richtigen. Und am Ende kommt es vor allem auf das Bauchgefühl an.

Auch ich musste lange suchen – und habe ihn nicht gefunden, den passenden Investor. Daher habe ich mich im vergangenen Jahr entschieden, unternehmerischer Single zu bleiben.

Und wie es so oft passiert: Wenn man aufhört, danach zu schauen, steht er plötzlich direkt vor einem. Das ist offenbar bei Geldgebern nicht anders als bei Traumprinzen.

Bei mir war dieser Moment an einem der letzten Augusttage dieses Jahres. In meinem Terminplan hatte ich mir den Besuch bei der Venture Wiesn vermerkt. Eines der vielen Start-up-Events im Spätsommer. Aber im Vergleich zu den herkömmlichen Veranstaltungen pitchen hier die Investoren und nicht die Start-ups.

Ohne jegliche Intention hatte ich mich also eingeschrieben. Mit einer befreundeten Gründerin saßen wir nichts ahnend im typisch bayrischen Brauhaus, als er plötzlich auf der Bühne stand: Stefan von MairDuMont Venture.

Kein schlechtes Ergebnis für das erste Date

Und er sagte so schöne Dinge: Er suche Tourismus-Start-ups, die digital arbeiten. Aber nicht nur Vermittler-Plattformen, richtige Veranstalter. Mit jedem weiteren Satz gewann er mehr und mehr meine Aufmerksamkeit.

Endlich ein Investor, der die Branche kennt. Einer, der versteht, dass CashFlow im Tourismus vom Bürgerlichen Gesetzbuch reguliert wird und dass Innovation nicht nur im Vermittlerbereich stattfinden kann, sondern bei der Leistungserbringung angesetzt werden muss. Ich war hin und weg. Und ich war überzeugt: Wir müssen uns kennenlernen.

Gesagt, getan. Ich sprach Stefan an, wir führten ein gutes Gespräch, tauschten Nummern aus und beschlossen, dass wir in Kontakt bleiben würden. Gar kein schlechtes Ergebnis für das erste Date, oder? Ich war begeistert. Und als die Nachricht mit dem Wunsch nach einem weiteren Treffen eintraf, machte sich die erste Nervosität bei mir bemerkbar.

Eine Woche später saßen wir schon bei uns im Büro in Düsseldorf. Ich hatte sogar die Putzfrau um eine Woche vorverlegt, damit alles blitzte. Wir sprachen über Buchungsabläufe, Marketingbudget und Besonderheiten im Tourismus.

Wir hatten die gleichen Visionen

Da mein Vater lange bei dem verwandten Reiseverlag DuMont gearbeitet hat, füllen bei uns zu Hause Reiseführer aus aller Herren Länder die Wandregale. Als Kind habe ich diese verschlungen: je exotischer die Destination war, umso interessanter. Während des Gespräches fühlte sich alles vertraut an, scheinbar hatten wir gleichen Visionen und ich merkte, dass mir die Idee gefiel, Unternehmensteile an MairDumont Venture abzugeben.

Auch die Tatsache, dass ich weiterhin fünf Tage im Monat als Flugbegleiterin fliegen würde – bislang immer das Ausschlusskriterium bei allen anderen Investorengesprächen – störte meinen Gesprächspartner nicht. Es schien alles zu passen. Auch der Investor schien interessiert zu sein und blieb, trotz nachfolgendem Termin, eine halbe Stunde länger als eingeplant. Was für schönes zweites Date.

Zu einem weiteren Treffen kam es nicht

Zu einem dritten Treffen kam es nicht mehr. Stattdessen folgte eine Absage. Aus dem digitalen Aspekt passte es nicht für den Investor. Eine Argumentation, die mir schwerfiel nachzuvollziehen. Ich war schließlich von meinem Modell überzeugt, sonst wäre ich auch kaum Gründerin geworden. So blieb mir also nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren.

Schlussendlich ist eine Investorenbeteiligung offenbar doch wie eine Partnerschaft, in der sich beide wohlfühlen müssen. Auch aus der Sicht des Start-ups muss das Bauchgefühl bei einer Beteiligung absolut stimmen.

Es gibt durchaus Geschäftsmodelle, die sich ohne zusätzliche Geldgeber etablieren können und werden. Und wer weiß: Vielleicht kommt der passende Partner ja doch noch. Man muss sich ja nicht immer früh binden. Auch ein später Frühling kann beflügen und bis dahin heißt es: aufstehen, Krone richten, weitergehen.

Das ist offenbar bei Investoren genauso wie bei Traumprinzen.