Zu viel Bürokratie und zu hohe Lohnkosten: Seit Jahresbeginn gilt das Mindestlohn-Gesetz – und ist vor allem eine Gefahr für den Gründer-Standort Deutschland.

Mindestlohndokumentationspflichten-Verordnung (MiLoDokV) könnte schon jetzt als das längste Wort des noch neuen Jahres bezeichnet werden – und birgt einigen Zündstoff. „Mehr Bürokratie und höhere Lohnkosten sind Gift für das Wachstum der Digitalen Wirtschaft in Deutschland“, kritisiert Matthias Ehrlich, Präsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW). Die Innovationszyklen seien extrem kurz und Geschäftsmodelle würden sich mit hoher Dynamik entwickeln, was wiederum Wandlungsspielraum voraussetze: „Flexibilität ist in unserer Industrie eine wirtschaftliche Notwendigkeit und kein Selbstzweck“, so Ehrlich.

„Es gibt kein Fegefeuer mehr, in dem man sich von Praktikum zu Praktikum schwitzt, um dann am Ende vielleicht doch noch einen bezahlten Job zu ergattern. Die Generation Praktikum gehört der Vergangenheit an“, lobte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ihre Arbeit in einer Bundestagsrede im Juli 2014. Dem warf Ehrlich schon im vergangenen Sommer entgegen, dass „das Totschlagargument ‚Generation Praktikum‘“ längst nicht mehr die Bedeutung habe, die ihm zugeschrieben werde.

Jetzt, gut einen Monat nach Einführung des Mindestlohns, sagt Ehrlich, sei es noch zu früh um fundiert beurteilen zu können, wie deutsche Start-ups reagiert haben. „Klar ist aber, dass gerade Start-ups für Innovationen einen schnellen und flexiblen Aufbau digitaler Kernkompetenz bei Nachwuchskräften brauchen – auch über Praktika.“ Gelte der Mindestlohn schon ab dem ersten Tag, so spüren das besonders junge Unternehmen.