Die Deutsche Börse will mit ihrem am Donnerstag gestarteten Netzwerk Start-ups und Investoren zusammenbringen. Doch offen für alle ist die Plattform nicht.

Als seine Powerpoint-Präsentation wegen technischer Probleme mehrfach ausfällt, sagt Martin Reck irgendwann: „Ich hoffe, unsere Plattform startet besser als diese Präsentation.“ Der stellvertretende Vorsitzende der Frankfurter Wertpapierbörse meint den Satz auf der Noah-Konferenz in Berlin scherzhaft. Doch die Aussage dürfte ziemlich gut die größte Sorge Recks treffen: dass das neue Projekt schief geht.

Mit dem Deutsche Börse Venture Network will der Wertpapierhändler Start-ups und Kapitalgeber zusammenbringen. Durch die Plattform sollen Gründer schneller und einfacher an Geld kommen, vor allem an Wachstumsfinanzierungen. Über die Plattform sollen sie früh Kontakte zu Investoren knüpfen können, um rechtzeitig die weitere Finanzierung ihres Start-ups zu sichern. Am Donnerstag stellte die Deutsche Börse das Onlineportal – „das Rückgrat des Projekts“, wie es Martin Reck nennt – offiziell vor.

Dass es ein Problem bei der Wachstumsfinanzierung gibt, lässt sich sogar in Zahlen fassen: Ab einer Summe von 50 Millionen Euro wird es nach Angaben von Reck schwierig, Investoren zu finden und ein Start-up mit bestehendem Kapital weiterzuführen.

Der IPO ist kein Muss

Die Deutsche Börse will das ändern und „die Investionslücke schließen“, sagt Reck in Berlin. Dafür hat sich das Unternehmen drei Wege überlegt: Auf der Online-Plattform sollen sich Investoren und Gründer austauschen können. Durch Roadshows in Frankfurt, London und in den USA sollen auch analoge Treffen stattfinden. Und die Deutsche Börse will auch eine Art Weiterbildung für die jungen Unternehmen anbieten.

Durch diesen Ansatz will der Wertpapierhändler die Gründer „marktbereit“ machen, sie auf einen Börsengang vorbereiten. Der IPO sei aber kein Muss, sagte Reck am Dienstag während seines Vortrags auf der Noah-Konferenz: „Es geht nicht darum, dass die Start-ups an die Börse gehen.“ Das sei mehr ein netter Nebeneffekt.

Dass es einen neuen Versuch für Start-ups und die Börse braucht, darin ist sich die Szene schon seit Jahren einig. Martin Reck verdeutlichte die Notwendigkeit an einer simplen Frage: „Welches ist das jüngste Unternehmen im Dax?“ Die Antwort: SAP. Gegründet 1972.