Das Fintech sammelt 100 Millionen Dollar ein. Für das weitere Wachstum setzen die Hamburger weiterhin sowohl auf Banken als auch Direktkunden.

Neue und bestehende Investoren haben 100 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 88 Millionen Euro) in das Finanz-Start-up Deposit Solutions gesteckt. Damit sind die Hamburger bislang unter den größten Finanzierungsrunden deutscher Start-ups in diesem Jahr.

Die aktuelle Finanzierungsrunde von Deposit Solutions, die Finanzdienstleistungen und -infrastruktur sowohl für Banken als auch für Endkunden anbieten, wird angeführt von dem Private-Equity-Unternehmen Vitruvian Partners mit Sitz in London. Ebenfalls neu dabei ist der schwedische Investor Kinnevik, der im vergangenen Jahr bei der deutschen Start-up-Schmiede Rocket Internet ausgestiegen war. Daneben erhöhen auch bestehende Investoren im Rahmen der aktuellen Finanzierung ihre Einlage.

Nach eigenen Angaben basiert die aktuelle Finanzierungsrunde auf einem angenommenen Firmenwert von 500 Millionen Dollar. Damit hat das Start-up die Hälfte des sogenannten Einhorn-Status erreicht. So werden Unternehmen bezeichnet, die einen Firmenwert von mindestens einer Milliarde Euro haben – und die in Deutschland immer noch vergleichsweise spärlich zu finden sind. Neu in den exklusiven Zirkel konnte jüngst das Münchener Start-up Celonis aufsteigen, deren Software Prozessketten in Unternehmen optimiert.

Schnittstelle zu Banken

Deposit Solutions setzt bei seinem Wachstum weiterhin auf eine Doppel-Strategie. Das 2011 gegründete Fintech richtet sich mit seinen Produkten zum einen an Finanzinstitute, zum anderen direkt an Verbraucher – die meisten der jungene Tech-Unternehmen in diesem Bereich konzentrieren sich auf eine Kundengruppe.

Für Banken stellt das Start-up seine Infrastruktur gegen Lizenzgebühren zur Verfügung – so können diese wiederum ihren Kunden ermöglichen, auch Einlageprodukte von anderen Anbietern im Portfolio zu haben. Nach eigenen Angaben nutzen bereits mehr als 70 Banken in 16 Ländern dieses Produkt, stolz sind die Hamburger etwa auf die Partnerschaft mit der Deutschen Bank. „Unser langfristiges Ziel ist es, Open Banking als neuen Standard für den weltweit 50 Billionen US-Dollar großen Einlagenmarkt zu etablieren“, lässt sich Deposit-Solutions-Gründer Tim Sievers in einer Pressemitteilung zitieren.

Neun Milliarden Euro direkt vermittelt

Daneben hat das Start-up jedoch auch mehrere eigene Portale, auf denen Kunden direkt Angebote vergleichen und Gelder anlegen können. Hier werden Tages- und Festgelder von zahlreichen europäischen Banken aufgeführt, die zum Teil deutlich höhere Zinsen versprechen als die deutschen Institute. Deposit Solutions verdient hier durch Provisionszahlungen mit. Um die Marktanteile im Direktkundengeschäft auszubauen, hatte Deposit Solutions mit der Hauptmarke Zinspilot in den vergangenen Jahren auch zugekauft. Vor einem Jahr übernahmen die Hamburger den Berliner Mitbewerber Savedo, der weiterhin als eigenes Portal geführt wird.

Nach eigenen Angaben hat sich das Direktkundengeschäft von Deposit Solutions in den vergangenen neun Monaten verdoppelt: Insgesamt wurden Einlagen von über neun Milliarden Euro vermittelt. Über 150.000 Kunden sollen die Portale mittlerweile zählen.

Als ein verbleibender Fintech-Konkurrent von Deposit Solutions tritt das Start-up Raisin auf. Die Berliner betreiben ebenfalls in mehreren Ländern Portale, auf denen Direktkunden Fest- und Tagesgelder vergleichen und abschließen können. In Deutschland tritt Raisin, die Anfang 2017 eine 30-Millionen-Euro-Finanzierung verkündeten, unter der Marke Weltsparen an.