Drohnen werden immer beliebter. Folge des Booms: Immer öfter stören sie Flughäfen oder Kraftwerke. Dedrone hält sie auf Abstand – das Geschäft lohnt sich.

Von Stefan Hajek

Schätzungsweise vier Millionen zivile Drohnen wurden 2015 weltweit verkauft, mehr als 400 000 kommen jeden Monat dazu – Tendenz steigend. Denn die Fluggeräte werden immer billiger und leistungsstärker. Drohnen spionieren inzwischen Konkurrenten aus oder schmuggeln Drogen und Waffen über Gefängnismauern. Auch unabsichtliche, nicht minder gefährliche, Zwischenfälle, etwa an Flughäfen, häufen sich.

Die Marktchance für Dedrone, das Drohnen-Warnsysteme herstellt: Verschiedene Sensoren orten mittels intelligenter Software die unbefugten Eindringlinge und alarmieren Sicherheitskräfte; Funksignale stören sie, wenn nötig, und zwingen sie zum Landen. „Die unteren zwei Meter Grenze um ein Gefängnis oder Kraftwerk sind durch Zäune und Kameras meist gut abgeschirmt“, sagt Co-Gründer und CEO Jörg Lamprecht, „darüber sind die Anlagen oft schutzlos.“

40 Mitarbeiter entwickeln die Technologie in Kassel. Der wichtigste Markt sind inzwischen aber die USA,  Anfang 2016 verlegten die Kasseler dorthin den Firmensitz. Auch, um näher an Investoren zu sein. Das hat sich nun ausgezahlt, vergangene Woche bekam das Unternehmen zehn Millionen Dollar von Menlo Ventures- die Amerikaner hatten zuvor unter anderem in Siri investiert, bevor Apple das Start-up kaufte. Beteiligt ist seit 2015 auch Target Partners aus München mit 2,7 Millionen Euro.

„Die USA ist derzeit noch ein doppelt so großer Markt für Drohnenabwehrtechnik wie Europa“, sagt er. Bis zu 100 Drohnen-Sichtungen in der Nähe von Flugzeugen zählten allein die US-Flughäfen pro Monat. Hinzu kommen Gefängnisse, Stadien, Industrieanlagen, Staudämme, Fabrikanlagen, Kraftwerke, potenziell alle sicherheitskritischen Anlagen, die von der Luft aus gestört, ausspioniert oder gar gefährdet werden können.

Die Anlagen kosten zwischen 6500 Euro für den einfachsten stationären Multi-Sensor, rund 10 000 Euro für einen mobilen Drohnen-Detektor, bis zu 120 000 für die Ausstattung eines kompletten Stadions. „Dann stellen wir 10 bis 15 DroneTracker so auf, dass sie den kompletten Luftraum über dem Stadion überwachen“, erklärt Lamprecht. Etwa fünf Millionen Euro hat das Start-up so im Vorjahr eingenommen.

Steckbrief

Dedrone
Gründer: Ingo Seebach, Jörg Lamprecht, Rene Seeber (Foto v. l.)
Gründung: 2014
Sitz: Kassel, San Francisco
Mitarbeiter: 40
Umsatz (2015): ca. 5 Millionen Euro
Kunden: Kraftwerke, Stadien, Flughäfen
Finanzierung: 11,6 Millionen Euro von Target Partners (D) und Menlo Ventures (USA)