Das auf Datenverarbeitung spezialisierte Berliner Start-up arbeitet künftig unter dem Dach des chinesischen Konzerns Alibaba. Standort und Mitarbeiter sollen erhalten bleiben. 

Das Berliner Start-up Data Artisans wird Teil des chinesischen E-Commerce-Konzerns Alibaba. Der Kaufpreis soll 90 Millionen Euro betragen, wie mehrere Medien berichten. Die Gründer Kostas Tzoumas und Stephan Ewen wollten dies auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht kommentieren, äußerten sich aber in einem heute veröffentlichten Blog-Eintrag zu den Hintergründen der strategischen Übernahme. Die 2014 gegründete Firma besitzt wertvolles Know-how zur Verarbeitung von großen Datenmengen („Big Data“).

Data Artisans hat sich das Ziel gesetzt, die Datenverarbeitung zu verbessern. Statt nur auf gespeicherte Daten aus der Vergangenheit zu blicken, ermöglicht die Technologie, nahezu in Echtzeit eine Vielzahl an Informationen auszuwerten – direkt in der Entstehung, ohne Daten langfristig speichern zu müssen. Die Berliner arbeiten dafür mit Datenströmen. Ihre Plattform „Apache Flink“ ist als sogenannte Open-Source-Anwendung konzipiert, andere Entwickler haben also Zugriff auf den Programmiercode und können ihn für eigene Projekte nutzen.

Mit Hilfe seiner Technologie will das Start-up zum Beispiel Betrug mit Kreditkarten verhindern, da Anzeichen in den Zahlungsströmen und Stammdaten frühzeitig sichtbar werden. Außerhalb der Finanzbranche gibt es zudem Einsatzmöglichkeiten im Online-Handel: Hier hilft die Plattform dabei, Produktempfehlungen in Echtzeit auszuspielen. Zu den weiteren Kunden zählen der Streaming-Dienst Netflix und Fahrdienstvermittler Uber. Zudem nutzt der Käufer Alibaba die Plattform zur Datenverarbeitung.

Berliner Standort bleibt erhalten

Unter dem Dach des chinesischen Konzerns sollen die Angebote des Start-ups weitergeführt und ausgebaut werden. Ob die Marke erhalten bleibt, lässt Data Artisans auf Anfrage von WiWo Gründer offen. In den Berliner Standort wolle Alibaba investieren und alle Mitarbeiter übernehmen. Auch die Gründer bleiben nach eigenen Angaben im Unternehmen. Sie sollen die weitere Entwicklung der Technologie und des Teams vorantreiben.

„Gemeinsam mit Alibaba können wir unsere Bemühungen und Technologien auf neue Horizonte ausdehnen, indem wir noch mehr in Open Source investieren“, teilen die Gründer mit. „Wir können in neue Bereiche expandieren, die wir in der Vergangenheit noch nicht erforscht haben.“ In den vergangenen Jahren habe der chinesische Konzern bereits umfangreiche Beiträge zur Flink-Codebasis geleistet, seit 2016 bestehe eine Partnerschaft. Beide Unternehmen teilen nach Aussage des Start-ups dieselben Werte und Ziele, was die Weiterentwicklung von Big-Data-Technologien betrifft. Alibaba wolle auch den Open-Source-Ansatz weiterverfolgen, um Entwickler-Netzwerke zu unterstützen.

Derzeit ist Data Artisans in Berlin und San Francisco vertreten. Die Idee entstand an der Technischen Universität Berlin. Das Kapital aus den drei abgeschlossenen Finanzierungsrunden stammt unter anderem von Intel Capital und Tengelmann Ventures. Die Schweizer Venture-Capital-Gesellschaft btov Partners hielt zuletzt 20 Prozent der Firmenanteile, die nun an Alibaba gehen, bestätigt der Investor in einer aktuellen Presseinformation. Mit dem Verkauf habe der Risikokapitalgeber den vierten Exit innerhalb von neun Monaten erreicht.

Lukrative Deals für Investoren und Gründer

Einen Exit in zweistelliger Millionenhöhe erzielten im vergangenen Jahr auch die Gründer des Münchener Finanztechnologie-Start-ups Givve. So wurde im Juli bekannt, dass die französische Unternehmensgruppe Up 20 Millionen Euro für den Anbieter von Bonus-Kreditkarten auf den Tisch gelegt haben soll. Einen Teil-Verkauf an die ProSiebenSat.1-Tochter Verivox haben die Heidelberger Unternehmer hinter der Versicherungsplattform Getsafe im September geschafft.

Die Laufbahn von Gründern, die ihre Firma erfolgreich verkauft haben, hat eine Studie der Start-up-Messe Startupnight untersucht: So bringt die private Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar bei Koblenz besonders viele Exit-Gründer hervor, wie die im Sommer veröffentlichte Auswertung zeigt.