Die Bewertung sei zu hoch, das Produkt nicht ausgereift. Die Löwen übten viel Kritik an Curaluna. Carsten Maschmeyer zeigte dennoch Interesse – doch zu einem Deal kam es am Ende nicht.

600.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firma – mit dieser Bewertung sorgten die beiden Gründer von Curaluna in der gestrigen Sendung von „Die Höhle der Löwen“ für Empörung unter der potentiellen Investoren. „Entweder sind Sie völlig gedankenlos oder gierig bis an die Grenze der Unverschämtheit”, urteilte Carsten Maschmeyer und Georg Koffer nannte die Forderung „abenteuerlich“.

Was war passiert? Frank Steinmetz (53) und Christoph Hohl (46) präsentierten in der Sendung einen Sensor, den man an einer Windel anbringen kann, um herauszufinden, ob diese gewechselt werden muss.  Übermittelt werden die Informationen per Bluetooth an das Smartphone. Von diesem System sollen Babys und Pflegebedürftige gleichermaßen profitieren. Prinzipiell eine gute Idee, befand die Jury, doch sie bemängelte die fehlende Serienreife des Sensors sowie die Tatsache, dass die Gründer bislang kein Patent auf ihre Erfindung angemeldet hatten.

Nacheinander stiegen alle Löwen aus bis nur noch Carsten Maschmeyer übrig blieb, der sich von persönlichen Erfahrungen treiben ließ – seine Mutter wurde jahrelang in einem Pflegeheim betreut: „Deswegen mache ich etwas, obwohl ich sauer auf Sie bin, wie Sie hier auftreten. Also, ich biete ihnen 50.000 Euro. Die setze ich als reines Risikogeld in ihre Firma – die ist noch nicht mal 100.000 wert im Moment“, erklärte er.

Sein Angebot: Sollte das Patent erteilt werden und die Tests positiv verlaufen, wäre er bereit die  gewünschten 600.000 Euro zu investieren – allerdings nicht für zehn, sondern für 25,1 Prozent des Start-ups. Nach einer kurzen Besprechung schlugen die Gründer ein.

Warum es trotz dieser spektakulären Wende schließlich doch nicht zum Investment kam und wie es aktuell um Curalua steht, verrät Frank Steinmetz im Interview.

Herr Steinmetz, hatten Sie sich Ihren Pitch eigentlich anders vorgestellt?
Um ganz ehrlich zu sein, hat mich die Vehemenz der Kritik schon überrascht. Das hatten wir so nicht erwartet. Die Aussage, dass die Bewertung unseres Unternehmens zu hoch sei, konnten nur teilweise nachvollziehen, denn schließlich geht man bei so etwas nicht nur ausschließlich vom aktuellen Zustand der Firma aus, sondern vor allem von dem, was noch kommen wird. Und wir hatten uns sehr ausführlich im Vorfeld damit auseinandergesetzt, uns mit potentiellen Abnehmern des Produkts, wie Pflegeheimen, ausgetauscht, während die Löwen die Thematik in nur wenigen Minuten durchdringen mussten. Und um die Tatsache, dass das Produkt zum Zeitpunkt der Aufzeichnung noch nicht fertig war, darum haben wir kein Geheimnis gemacht. Wir wollten mit dem Prototyp, den wir mitgebracht haben, nur zeigen, wie das Prinzip funktioniert.

Die Messung hat nicht richtig funktioniert… 
Ja, das war natürlich sehr ärgerlich. Es war feuchter und wärmer im Raum als erwartet und das hat dazu geführt, dass der von uns vorher etwas zu empfindlich eingestellte Sensor und die Anzeige zu früh angezeigt haben.

Dennoch haben Sie für Ihr Produkt gekämpft. Hatten Sie den Eindruck, dass die Löwen dessen Potential nicht wirklich erkannt haben?
Der Markt ist gigantisch. Allein in Deutschland gibt es 1,2 Millionen pflegebedürftige und inkontinente Senioren. Hinzu kommen die windeltragenden Babys und Kleinkinder, das geht auch in die Millionen. Ich denke, dass das  der Jury auch durchaus klar war, darum hat sich wohl auch Carsten Maschmayer für Curaluna interessiert.

Wie ging die Zusammenarbeit mit ihm weiter? 
Wir hatten sehr gute Treffen und Gespräche mit Carsten Maschmayer und seinem Team, aber haben dann übereinkommend beschlossen, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt keine Beteiligung vorstellen können. Stattdessen haben wir einige private Investoren für unser Projekt gewinnen können, die uns mit guten Kontakte in den Handel unterstützen können– über die Höhe der Beteiligung haben wir allerdings Stillschweigen vereinbart.

Und die 50.000 Euro Starthilfe, die Carsten Maschmeyer angekündigt hatte?
Die sind nicht geflossen, denn sie waren an eine Beteiligung geknüpft, zu der es schlussendlich ja nicht kam.

Carsten Maschmayer sagte in einem Interview, dass bereits ein ähnliches Produkt von einem taiwanesischen Hersteller auf dem Markt sei und er sich deswegen gegen einen Deal entschieden habe. 
Ja, während der Verhandlungen kam ein bereits in Asien tätiger asiatischer Hersteller auf den europäischen Markt und präsentierte ein ähnliches Produkt auf der IFA in Berlin. Möglicherweise war das für Herrn Maschmeyer ein wichtiger Punkt, das kann aber nur er sagen. Wir selbst finden aber, dass Wettbewerb  bei einer Innovation grundsätzlich nicht stört, denn es zeigt, dass man nicht der einzige ist und es dafür offensichtlich einen Markt gibt. Manchmal ergibt sich daraus ja sogar eine Chance zur Kooperation, wozu wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ins Detail gehen können.

Hat Curaluna auch ohne Herrn Maschmeyer den Sprung auf den Markt geschafft?
Seit gestern kann man das Produkt in unserem Onlineshop bestellen zu einem Einmalpreis von 85 Euro. Wir haben seit der Ausstrahlung der Sendung eine schöne Anzahl Bestelllungen. Aktuell laufen auch Gespräche die ersten mit Händlern wie Babyfachmärkten, Drogerien und Sanitätshäusern. Leider kann ich dazu noch nicht mehr verraten, weil noch nichts in trockenen Tüchern ist. Die Zusammenarbeit mit den Pflegeheimen werden wir in den kommenden Monaten testen, für diesen Einsatz wird unser Produkt ein wenig abgewandelt werden. Wir sind überzeugt, dass Curaluna die Arbeit des Personals vereinfachen wird.