Mit einem Zug zwischen Berlin und Stuttgart wollte Locomore der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Jetzt ist dem Unternehmen das Geld ausgegangen.

Der Zug Loc 1818 aus Stuttgart dürfte um die Mittagszeit in Berlin eingetroffen sein. Damit ist dann vorerst Schluss mit dem Fahrbetrieb des Berliner Unternehmens. Gestern hat die Locomore GmbH & CoKG einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Charlottenburg gestellt. Als Alternative zur Deutschen Bahn und zu Fernbussen wollte man mit günstigen Fahrpreisen und thematisch sortierten Abteilen im Fernverkehr angreifen – jetzt ging dem Unternehmen das Geld aus: „Unsere finanziellen Reserven sind nunmehr aufgebraucht, so dass wir uns zu diesem Schritt gezwungen sahen“, heißt es in einer Erklärung von gestern. Schon der Zug, der planmäßig heute gegen viertel nach zwei in Berlin losrollen sollte, wird nicht mehr starten. Auch die Fahrten der kommenden Tage sollen ausfallen, heißt es aktuell auf der Homepage.

Unklar ist noch, in wie weit auch Crowdinvestoren von der Pleite betroffen sind. Über die Plattform Startnext hatte Locomore um den Jahreswechsel 2015/2016 etwas über 250.000 Euro von knapp 1000 Anlegern eingesammelt. Die meisten Unterstützter hatten dabei aber als Gegenleistung ein Fahrtguthaben gewählt – Teile davon könnten bereits eingelöst worden sein, seit der Zug im Dezember 2016 in den regulären Betrieb gestartet war. Nach eigener Darstellung stiegen bis Anfang April etwa 70.000 Fahrgäste zu.

Kein dauerhafter Erfolg trotz Crowd-Kampagnen

Insgesamt hatte Locomore nach eigener Darstelllung bis Mitte März mehr als 900.000 Euro eingesammelt, einen großen Teil davon auch über weitere Crowdinvesting-Aktionen. In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen noch eine neue Investmentmöglichkeit in Form von Nachrangdarlehen eingeführt, die zu einer Höhe ab 2000 Euro zu einer Verzinsung von mindestens 3,5 Prozent angeboten wurden.

Dennoch reichten die Finanzmittel schlussendlich nicht mehr aus. „Gestern Abend hat nach fortgeschrittenen Verhandlungen dann noch ein Investor abgesagt, dessen Engagement die Insolvenz abgewendet hätte“, heißt es in der Erklärung weiter. Aufgeben will das Bahn-Start-up jedoch noch nicht. Man hoffe, gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Rolf Rattunde Perspektiven für die Zugverbindung zu finden: „Hierfür sind wir gemeinsam derzeit auch intensiv auf der Suche nach Investoren. Erste Gespräche finden derzeit bereits statt.“