Die Beratungsbranche leidet unter dem Digitalisierungsdruck, wie eine Exklusiv-Studie zeigt. Start-ups wollen jetzt die Chancen für Consultants verbessern und sie online mit Kunden verkuppeln.

So kreativ Berater bei der Suche nach der passenden Strategie für ihre Kunden sein können: Für die eigene Kundengewinnung gab es lange Zeit nur wenige Wege. Entweder setzten sie auf aufwendige Kaltakquise – oder sie hofften darauf, nach einem abgeschlossenen Projekt weiterempfohlen zu werden oder beim Kunden weiterbeschäftigt zu werden. Newcoventure, Comatch und Projectchamps  sind nun die Namen derer, die einen weiteren Weg schaffen wollen.

Die Start-ups haben vor, mit einem Modell ähnlich dem Onlinedating Berater und Kunden zusammenzubringen. Beide können auf den Plattformen Profile hinterlegen und ihre Präferenzen und Fähigkeiten angeben. Auf diese Weise sollen sich dann Pärchen ergeben, die sich vorher nicht über den Weg gelaufen wären. „So wollen wir die Transparenz im Beratungsmarkt erhöhen“, sagt Newcoventure-Gründer Frank Braun.

Damit tasten sich die Plattformen auf digitalen Pfaden in eine Branche vor, die als klassisches „People-Business“ bekannt ist. Berater kommen schließlich meist dann an Bord, wenn es um wichtige Veränderungen im Unternehmen geht. Vertrauensvolle Zusammenarbeit und persönlichen Kontakt sehen sowohl Consultants als auch Kunden daher häufig als entscheidend an. Wie sie mit dem Trend zur Digitalisierung umgehen sollen, ist vielen Beratungshäusern vor diesem Hintergrund noch unklar, zeigt eine aktuelle Studie der Münchner Personalberatung LAB & Company, die WirtschaftsWoche Gründer vorab vorliegt.

Chancen für die Spezialisten

Zwar glauben der Erhebung zufolge vier von fünf der befragten 305 Consultants, dass die Digitalisierung ihre Geschäftsmodelle stark verändern wird – allerdings sieht sich mehr als ein Drittel der Befragten schlecht darauf vorbereitet. Es fehle an Kompetenzen bei Mitarbeitern und Führungskräften, auch die Prozesse seien nicht auf die digitale Welt angepasst.

„Die großen Profiteure der Digitalisierung werden kleine Agenturen, Dienstleister und Start-ups sein“, sagt Marcel Ramin Derakhchan, Managing Director bei LAB & Company.  Dort herrsche derzeit Goldgräberstimmung, die digitalen Möglichkeiten würden hier am ehesten ausgeschöpft.