Nachdem er den Börsengang mit der German Start-ups Group verschieben musste, spricht Geschäftsführer Christoph Gerlinger im Interview darüber, wie er die Zeit danach erlebt hat.

Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, dann würde Christoph Gerlinger schon seit gut sechs Wochen ein börsennotiertes Unternehmen leiten. Doch statt am 17. Juli mit der German Start-ups Group an die Börse zu gehen, so wie es ursprünglich anvisiert war, sagte Gründer Gerlinger den IPO Ende Juli vorläufig ab. Die Zuspitzung der Griechenlandkrise, der Crash in China und die Wandelanleihe von Rocket Internet hätten das Werben um Investoren zu sehr erschwert, so die Begründung des Unternehmenschefs damals.

WirtschaftsWoche Gründer hat mit dem Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft darüber gesprochen, wie er persönlich die vorläufige Absage bis jetzt erlebt hat und warum er trotzdem weiter an die Börse will.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Gerlinger, auf einer Skala von eins bis zehn: Wie unangenehm ist es, einen Börsengang abzusagen, wenn zehn sehr unangenehm wäre?
Christoph Gerlinger:
(lacht) Das ist eine schwere Frage. Vielleicht drei oder vier.

Also eher weniger unangenehm?
Es gibt Schlimmeres im Leben, sagen wir es so. Insofern bin ich darüber auch schnell hinweggekommen. Wenn wir nur über das Geschäftliche reden, dann würde ich allerdings eine höhere Zahl vergeben. Unter den geschäftlichen Belangen gehört es schon zu den sehr unangenehmen Dingen.

„Das macht doch keinen Sinn“

Was hat die Absage für Sie persönlich so unangenehm gemacht?
Ich habe in unseren geplanten Börsengang über viele Monate sehr viel Zeit, Fleiß und Leidenschaft investiert, und wenn man sowas absagt, dann kommen aus der Presse eher hämische Kommentare. Das ist natürlich nicht so toll.

Sie mussten den Börsengang erst um ein paar Tage verschieben, dann vorläufig absagen. Können Sie die Situation beschreiben, in der das geschah?
Ich würde nicht von einer Absage sprechen. Wir haben zuerst die Angebotsfrist verlängert und dann den Börsengang verschoben. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Endgültig haben wir die Reißleine in einem Conference Call mit den Banken gezogen. Da haben wir beschlossen: „Das macht in dem schlechten Marktumfeld doch keinen Sinn.“