Große Stunde für Geschäftskunden-Start-ups: Auf der Digitalmesse stattet das Wirtschaftsministerium vier Jungunternehmen mit satter Unterstützung aus.

Zu wenig Fördermittel, zu langsames Internet, zu viel Bürokratie: In der Start-up-Welt finden sich immer wieder Stimmen, die sich über die unzureichende Unterstützung des Staates beschweren. Die jungen Tech-Unternehmen, die gestern im Rahmen der Digitalmesse Cebit in Hannover ausgezeichnet wurden, dürften da eine andere Meinung haben. Denn alle vier Start-ups hatten sich für den Preis „Digital-Start-up des Jahres“, der vom Bundeswirtschaftsministerium vergeben wurde, durch andere Förderprogramme oder Wettbewerbe des Bundes qualifiziert.

Alle vier gestern ausgezeichneten Start-ups arbeiten dabei an Produkten und Dienstleistungen, die sich an Geschäftskunden richten. Die Gründer hätten mit ihren aufstrebenden Firmen bewiesen, dass sie „den Finger am technologischen Puls der Zeit“ hätten, sagte Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt: „Das schnelle Wachstum der Start-ups zeigt, wie genau sie die Märkte der Zukunft kennen.“ Vor knapp zwei Monaten hatte das Ministerium ebenfalls eine Reihe von frisch gegründeten Jungunternehmen mit Preisen versehen – damals im Rahmen des Industrie-Branchentreffens Hannover Messe. Auch in der Runde wurden überwiegend Firmen prämiert, die sich nicht direkt an Endverbraucher richten.

Die Preisträger:

1. Platz (50.000 Euro): Physec

Das Bochumer IT-Security-Start-up Physec hat sich auf die Absicherung von Energienetzen spezialisiert. Dazu gehört eine Software-Plattform, die eine besonders starke Verschlüsselung ermöglichen soll, aber auch eine kleine Hardware-Box, mit denen ältere Anlagen wie etwa Wasserpumpen sicher vernetzt werden können. „So kann man auch Anlagen weit außerhalb der eigenen Infrastruktur digital anbinden, schafft aber kein Einfallstor ins Werk“, sagte Mitgründer Heiko Koepke im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Fachmagazin Energy 4.0 (hier geht es zum PDF). Punkten will das Team, das aus dem Umfeld der Ruhr-Universität Bochum stammt, auch im Bereich der vernetzten Industrie und von Privatwohnungen.

2. Platz (30.000 Euro): Compredict

Mit der selbst entwickelten Software-Lösung des Darmstädter Start-ups Compredict können Automobilhersteller und -zulieferer virtuell berechnen, welche Lasten einzelne Bauteile aushalten müssen und können. Dafür gab es bereits eine Auszeichnung des weltweit tätigen Zulieferers Magna Stayr, auch die ehemalige Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries war bereits in einem Testfahrzeug von Compredict unterwegs.

3. Platz (jeweils 10.000 Euro): Envelio und RIPS

Das Kölner Team von Envelio baut eine Software-Plattform, mit der die gleichmäßige Auslastung von Stromnetzen simuliert und berechnet werden kann. Damit zielt das Start-up vor allem auf Netzbetreiber, die durch die Energiewende immer größere Schwankungen ausgleichen müssen. Envelio schaffte im vergangenen Jahr auch den Sprung in eine der letzten Auswahlrunden des WirtschaftsWoche-Wettbewerbs Neumacher.

RIPS, ebenfalls aus Bochum, entwickelt eine Software, die IT-Sicherheitsexperten unterstützen will. Das Programm des Start-ups durchleuchtet automatisiert den Code von Anwendungen und erkennt dabei mögliche Schwachstellen, bevor Hacker die Einfallstore nutzen.