Gründer entdecken die Altenpflege: Careship vermittelt Betreuer für Ältere, auch Rocket Internet investiert in ein entsprechendes Portal.

Antonia Albert ist Betriebswirtin und hat für die Internetholding Rocket Internet gearbeitet, ihr Bruder Nikolaus hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Mit Altenpflege hatten die beiden nichts zu tun, bis ihre eigene Oma Betreuung brauchte. „Da haben wir erst gemerkt, wie kompliziert das Thema ist“, sagt Antonia Albert. Angefangen bei der Frage, welche Leistungen jemandem zustehen, bis zur Suche nach guten Betreuern – das sonst allwissende Internet konnte kaum helfen. Um das zu ändern, gründeten die Geschwister Careship. Über die Plattform vermittelt das Start-up Betreuer, die älteren Menschen im Haushalt helfen, einkaufen, sie zu Terminen

begleiten oder einfach Gesellschaft leisten. Bei den klassischen Pflegediensten seien solche Leistungen mit 30 bis 40 Euro pro Stunde vergleichsweise teuer, Careship bietet seine Dienste ab 15 Euro an. Die Berliner funktionieren ähnlich wie die Taxivermittlung Uber oder die Putzkraftvermittlung Helpling. Sie arbeiten mit Selbstständigen zusammen, die über die Plattform vermittelt werden. Die Betreuer können jedoch ihren Stundensatz selbst festlegen, Careship schlägt darauf 20 Prozent Provision auf.

Partner statt Konkurrent Im Internet und per Telefon informiert das Start-up zudem darüber, welche Leistungen die Versicherung übernimmt. „Viele wissen gar nicht, dass ihnen zusätzlich zu Pflegeleistungen 100 bis 200 Euro pro Monat für Betreuung zustehen“, sagt Albert. Das Start-up konzentriert sich auf diesen Bereich, auch leichte pflegerische Tätigkeiten wie Hilfe beim Essen oder der Körperpflege übernehmen die Betreuer. Doch die  weitergehende medizinische Versorgung überlassen sie den Pflegediensten. „Wir sehen uns daher auch als Partner“, sagt Albert, „und nicht als Konkurrent.“ Das ebenfalls gerade gestartete Start-up Pflegetiger bietet hingegen das komplette Spektrum häuslicher Krankenpflege, derzeit nur in Berlin. Auch Rocket Internet

hat die Branche für sich entdeckt und in das Start-up Visito investiert. Startet Antonia Alberts Exarbeitgeber also demnächst mit der Vermittlung von Pflegern? „Bald online“, heißt es derzeit auf der Website von Visito. Dessen erster Partner? Das Start-up Pflegetiger.

Gründer: Antonia und Nikolaus Albert
Gründung: 2015, Start Anfang 2016
Mitarbeiter: 15
Verfügbar: in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf
Finanzierung: ein mittlerer sechsstelliger Betrag, etwa von Investor Christophe Maire