Mit ihren Burgern aus Buffalowürmern machten die Gründer von Bugfoundation Dagmar Wöhrl Appetit auf mehr, doch am Ende entschieden sie sich gegen ein Investment.

Insekten als Nahrungsmittel – in Ländern wie Thailand und Vietnam ist das vollkommen normal. Als Baris Özel und Max Krämer, die Gründer von Deutschlands erstem Insekten-Burger-Start-up Bugfoundation, in der gestrigen Sendung Käferlarven-Burger auftischten, mussten die Löwen allerdings erst einmal schlucken. Nicht für jeden von ihnen war diese außergewöhnliche Mahlzeit das Richtige. Begeistert zeigte sich vor allem Dagmar Wöhrl, doch bei dem Angebot der Gründer – 7,5 Prozent Anteil an ihrem Unternehmen für 225.000 Euro – verging ihr kurzeitig der Appetit. Ihr Gegenangebot wiederum stieß bei den Osnabrückern nicht auf vollkommene Zustimmung. Nach einigen Verhandlungsrunden beschlossen sie ohne die Familienunternehmerin weiterzumachen. Ob sie diese Entscheidung bereut haben und wie es für Bugfoundation aktuell läut, erzählt Co-Gründer Max Krämer im Interview.

Herr Krämer, die Chance auf einen Einstieg von Dagmar Wöhrle war zum Greifen nahe. Warum haben Sie am Ende abgelehnt?
Wir hatten uns vorher ziemlich genau überlegt was unsere Firma wert ist und die Bewertung von drei Millionen Euro wollten wir halten. Wir sind überzeugt, dass wir ein super Produkt haben und wollten uns nicht unter Wert verkaufen.

Haben Sie diese Entscheidung bereut?
Überhaupt nicht, denn es lief auch ohne den Einstieg von Frau Wöhrl in den letzten Monaten seit der Aufzeichnung sehr gut für uns. Mittlerweile findet man unsere Tiefkühl-Patties in rund 500 Rewe-Filialen, vor allem in Süddeutschland. Außerdem konnten wir mit der PHW-Gruppe, die hinter Deutschlands größter Geflügelzüchter Wiesenhof steckt, einen Investor gewinnen. Wie hoch die Summe ist, dürfen wir leider nicht verraten, aber es ist ein sehr positives Signal, dass ein etablierter Fleischhersteller wie die PHW-Gruppe mit uns in eine alternative Proteinquelle der Zukunft investiert. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, der den Aufbau und die Gestaltung einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion vorantreibt.

Die Löwen waren ja nicht alle begeistert von „Deutschlands erstem Insekten-Burger“. Hat Sie das überrascht? 
Nicht wirklich, denn in Sachen Insekten gilt: Entweder man liebt es, oder man hasst es. Es gibt nicht viele Nahrungsmittel, die so polarisieren. Vor der Aufzeichnung hatten wir allerdings mit dem Interesse von Frank Thelen gerechnet, da er ja schon häufiger in Food-Start-ups investiert hat. Dass Dagmar Wöhrl so begeistert war, fanden wir aber super, damit hatten wir nicht gerechnet.

In anderen Ländern ist das Essen von Insekten an der Tagesordnung. In Belgien und den Niederlanden beispielsweise bekommt man eure Burger schon länger in Restaurants. Sind wir Deutschen zu konservativ?
Erst seit Anfang des Jahres wurde hierzulande per Gesetz das Verarbeiten von Larven und Würmern in Lebensmitteln zugelassen, insofern hatten die Deutschen noch nicht sehr viel Gelegenheit diese Neuerung zu testen. Aber wir merken beispielsweise auf Messen, auf denen wir unser Produkt vorstellen, dass nicht nur Foodies und Early-Adopter auf unsere Burger neugierig sind, sondern durchaus auch ältere Leute. Besonders gut kommt das Thema auch bei Flexitariern an, die auf der Suche nach einer Alternative zum herkömmlichen Fleisch sind –und die machen laut Statistik immerhin Eindrittel der Bevölkerung in Deutschland aus. Das ist toll, denn wir wollen erreichen, dass Insekten Mainstream-Nahrung werden und nicht länger ein Nischenprodukt sind.

Wage mal eine Prognose: Wann ist das Essen eines Insektenburgers so normal wie das Essen eines Steaks?
Ich glaube tatsächlich, dass es schneller geht als viele vermuten. Ich tippe mal, dass es In weniger als fünf Jahren zumindest keinen Aufschrei mehr gibt, wenn Insekten auf der Karte stehen.

Wie geht es für Bugfoundation weiter?
Wir haben gerade einen tollen Deal mit einem Partner aus der Gastronomie abgeschlossen, leider darf ich noch nichts verraten, aber es ist ein Unternehmen, das wohl jeder kennt. Außerdem entwickeln wir unter anderem zusammen mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik neue Produkte, eines steht kurz vor der Marktreife.

Ist auch eine Internationalisierung geplant?
Wir liebäugeln natürlich damit richtig groß zu werden und haben auch schon Anfragen aus anderen europäischen Ländern, beispielsweise von niederländischen und belgischen Supermarktketten, aber für die kommenden zwei Jahre konzentrieren wir uns erstmal auf die DACH-Region. Wir wollen langsam wachsen, denn unsere Burger sollen kein Hype sein, sondern sich dauerhaft in der Lebensmittellandschaft etablieren.