Weg von der Insel: Nach dem EU-Austritt von Großbritannien könnten Start-ups eine neue Heimat suchen. Deutschland kann punkten – aber nicht in allen Kategorien.

In der kommenden Woche soll es soweit sein: Nach Medienberichten plant Großbritannien dann, den Austritt aus der Europäischen Union offiziell einzuleiten. Bereits seit der Volksabstimmung im vergangenen Jahr wird heftig diskutiert, welche Folgen der Austritt für traditionelle und junge Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich haben kann. In einer Untersuchung hat die Umzugsvermittlungs-Plattform Movinga jetzt geschaut, in welcher europäischen Stadt umzugswillige Unternehmen ihre Kisten auspacken könnten.

Beim Blick auf Start-ups setzt sich Berlin dabei auf den ersten Platz. Punkten kann die Hauptstadt dabei insbesondere mit einer hohen Kapitalverfügbarkeit – in dieser Kategorie können nur Stockholm, Amsterdam und Barcelona einigermaßen mithalten. Hinter Berlin ordnen sich in diesem – nicht allzu wissenschaftlichen Ranking – osteuropäische Städte wie Warschau, Budapest und Brünn ein. Sie schlagen Berlin noch einmal deutlich, wenn es um Kosten für die Lebenshaltung und Wohnraum geht.

Halb Banker, halb Start-ups: Wohin streben die Fintechs?

Das Problem: Movinga blickt auch auf die besten Alternativ-Städte für umzugswillige Banker, weil insbesondere die Londoner City der stärkste europäische Finanzplatz ist. Hier stehen für die Rangliste andere Kriterien im Fokus, etwa der Spitzensteuersatz oder die Miete für teurere Wohnungen. Prompt zeigt sich eine komplett andere Liste, die von Dublin angeführt wird. Beste deutsche Stadt ist Frankfurt auf Platz sechs. Nur Amsterdam taucht in beiden Rankings unter den Top-Ten-Städten auf.

Wenig Hinweise bietet die Untersuchung daher auf das europaweit umworbene Start-up-Segment der britischen Fintechs, die zwischen beiden Welten stehen. Zum einen arbeiten sie mit vergleichsweisem schmalem Budget im Vergleich zur Finanzindustrie, zum anderen brauchen sie dringend die versierten Köpfe aus der Branche und eine Nähe zu zentralen Akteuren und Institutionen. Große Hoffnungen macht sich daher der deutsche Finanzplatz Frankfurt: Aus der Region wurden zuletzt bereits einige Initiativen gestartet, um Fintechs den Sprung über den Ärmelkanal schmackhaft zu machen. Als große Konkurrenten werden aber immer wieder auch Dublin – ohne jede Sprachbarriere – und der steuerfreundliche Finanzplatz Luxemburg genannt.