Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche wollen die Gründer von Boreal Light, Florian Wilms-Posen, Ali Al-Hakim und Hamed Beheshti, überzeugen. Sie bereiten Trinkwasser günstig auf – und schaffen so auch neue Jobs. Wie urteilt Investor Lars Hinrichs?

Eine halbe Minute mit Investor Lars Hinrichs im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Rund 319 Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wir haben eine günstige Lösung entwickelt, können mit Solarenergie Brack- oder Seewasser entsalzen, reinigen und  sterilisieren. Unsere Anlagen sind einfach und robust. Sie können vor Ort gewartet werden und ein Dorf oder eine kleine Stadt mit Trinkwasser versorgen. Bisherige Trinkwasseranlagen sind meist für Yachten entwickelt, daher klein und teuer. In Afrika kann sich so etwas niemand leisten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir kennen das Problem aus dem Nahen Osten – und haben schnell erkannt, dass es in Europa oder  Amerika keine Unternehmen gibt, die sich des Problems technisch annehmen.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Wir betreiben inzwischen zwei Wasserkioske in Kenia, verkaufen neben Wasser auch Strom und WLAN. Zudem gibt es einen Kühlschrank. Ein solcher Kiosk rentiert sich binnen anderthalb Jahren, und das, obwohl wir unser Wasser 70 Prozent unter dem Preis verkaufen, der dort in den Städten verlangt wird. Auch haben wir drei Anlagen in den Jemen und nach Somalia verkauft.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Wir sind sehr multikulturell, Ali ist im Irak geboren und im Iran aufgewachsen. Hamed stammt aus dem Iran.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Unser Produktionsteam besteht neben uns aus Österreichern, Schweizern und Deutschen. In den Wasserkiosken in Kenia arbeiten nur Frauen. Wir binden sie ins Arbeitsleben auf dem Land ein.

Was war euer größter Rückschlag?
Die Erkenntnis, dass deutsche Banken keine Projekte in Afrika und Nahost finanzieren. Wir mussten an unsere Ersparnisse ran. Hamed hat sogar seine Wohnung verkauft.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann versorgen wir eine halbe Million Menschen mit sauberem Trinkwasser.

Fakten zum Start-up

Gründung: 2015
Mitarbeiter: 5 in Berlin, 10 in Kenia
Finanzen: Crowdfunding, eigenes Geld

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 5/5

Urteil: „Das ist ein sehr spannendes, weltweit wachsendes Geschäftsfeld. Als Geldgeber bieten sich auf soziale Veränderung spezialisierte Wagniskapitalgeber bis hin zur Bill-Gates-Stiftung an.“
Lars Hinrichs, Gründer des Karrierenetzwerkes Xing und Chef des Private-Equity-Fonds Cinco Capital