Auf dem Kongress des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft spielen Start-ups kaum eine Rolle. Das ist eine verpasste Chance.

Es sollte alles ganz neu sein auf dem Kongress des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): Während die Veranstaltung in den vergangenen Jahren in einem Hotel stattfand, suchte man sich in diesem Jahr die Station – einen alten Postbahnhof, der viel Platz bietet. Auch die Teilnehmer der Republica tummelten sich wenige Woche vorher an diesem Ort. Neuer Ort, veränderter Anspruch? Zumindest teilweise. Während sich die Beratungsgesellschaft PWC neben Siemens und dem Energie- und Automatisierungstechnikkonzern ABB präsentiert, ist für Start-ups kaum Platz. Gerade einmal neun Start-ups finden sich mit ihren Ständen auf nur wenigen Quadratmetern. Dabei ist die Energiewende in Deutschland im vollen Gange, große Energiekonzerne versuchen ihre Geschäftsmodelle nachhaltig anzupassen, haben sich junge Unternehmer längst einen Vorsprung erkämpft.

Helfer für die Umwelt

Einer von ihnen ist Christoph Gebald vom Deutsch-Schweizer Start-up „Climeworks“. Das Unternehmen baut Anlagen, deren Aufgabe es ist Kohlendioxid aus der Umgebungsluft zu filtren – das gewonnene reine CO2 soll schließlich dem Kreislauf wieder zugeführt werden. „Wir haben das System an der ETH Zürich entwickelt“, sagt Christoph Gebald, der das Start-up 2009 gemeinsam mit Jan Wurzbacher ins Leben gerufen hat, seit 2012 gibt es Climeworks am Markt. „Die Zwischenzeit haben wir gebraucht, um die Anlagen weiterzuentwickeln.“ So kann das Filtersystem etwa in der Getränkeindustrie eingesetzt werden. Außerdem arbeitet das Start-up mit Audi zusammen, um etwa Auspuffgase wieder für die Energiegewinnung zu nutzen. Momentan finanziert sich die Firma vor allem über Business Angels, hat aber immerhin am Standort Zürich schon über 20 Mitarbeiter. „Unser Ziel ist es bis 2025 ein Prozent der globalen CO2-Emission einzufangen,“ sagt Gebald. Das klingt vergleichsweise wenig – aber nur auf den ersten Blick: „Denn wenn unsere Idee nachgeahmt wird, dann ist der Umwelt irgendwann doch geholfen.“ Trotzdem sind die Gründer realistisch: Die Markteinführung dauert lange und ist sehr kostenintensiv. Schwarze Zahlen wird das Start-up wohl erst zehn Jahre nach der Gründung schreiben.