Die Brancheninitiative B3i hat sich zusammengeschlossen, um die Blockchain-Technologie zu ergründen. Jetzt folgt der Praxistest – mit einem gemeinsamen Start-up.

Versicherer wagen den nächsten Schritt mit der Blockchain: Mit B3i Services hat die Brancheninitiative B3i ihr erstes gemeinsames Start-up gegründet. Die neue Firma hat ihren Sitz in Zürich. An der Gründung beteiligt haben sich 13 Mitglieder der Initiative: Achmea, Aegon, Ageas, Allianz, Generali, Hanover Re, Liberty Mutual, Munich Re, SCOR, Swiss Re, Tokio Marine, XL Catlin und die Zurich Insurance Group.

Das Start-up soll die Blockchain-Technologie vorantreiben und zunächst innerhalb der Versicherungsbranche Erfahrungen sammeln. Die Technologie gilt als besonders interessant für die Anwendung bei Verträgen, da sie als eine Art riesiges virtuelles Register Informationen in Form einer Kette speichert – und sie so letztlich vor Fälschungen schützt.

Schneller und Sicherer

Ein erster Prototyp einer Police auf Blockchain-Basis sei bereits getestet und für einsatzfähig befunden worden. B3i Services soll nun laut der Gründerinitiative im Praxistest unter Beweis stellen, dass die neue Technolgie Transaktionen sowohl deutlich beschleunigen als auch sicherer und effizienter gestalten kann. Die Firma entwickle derzeit weitere Produkte, ab Ende des Jahres sollen sie in Echtzeit auf der Plattform handelbar sein.

Der Schritt kommt wenig überraschend: Eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft KPMG identifiziert aktuell einen Boom der Technologie: „Blockchain-Anwendungen dürften 2018 die nächste Reifestufe erreichen. In vielen Ländern werden zahlreiche konkrete Anwendungsfälle getestet, und auch im Bereich entsprechender Konsortien ist extrem viel Bewegung“, lässt sich KPMG-Partner Sven Korschinowski in einer Pressemitteilung zitieren. Er verweist speziell auf einen starken Zulauf bei B3i mit 22 neuen Mitgliedern allein im vierten Quartal 2017.

Gewaltiges Interesse an Blockchain

Entstanden ist die Initiative vor knapp zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von fünf großen Versicherern: die Münchner Allianz und Rückversicherer Munich Re, die Züricher Versicherungsgesellschaft Zurich und Rückversicherer Swiss Re sowie die niederländische Aegon.

Mit ihrem Vorstoß sind sie nicht allein: Blockchain-Start-ups aus dem Finanztechnologiebereich ziehen derzeit verstärkt die Aufmerksamkeit von Investoren auf sich. Die Beratungsgesellschaft KPMG spricht in einer aktuellen Analyse von Rekordinvestitionen: So haben vor allem Risikokapitalgeber im vergangenen Jahr 512 Millionen Dollar in Blockchain-Unternehmen gesteckt – das sind 65 Prozent mehr als noch 2016 und damit so viel wie noch nie. „Sowohl strategische Investoren als auch Fintechs suchen zunehmend nach Möglichkeiten, die rasante Entwicklung bei Machine Learning, AI and IoT auf den Finanzsektor zu übertragen – sei es bei der Digitalisierung von Prozessen oder neuen Produkten“, so KPMG-Partner Korschinowski.