Artisense ist seit Herbst 2017 auch in Tokio vertreten – warum?
Was High-Tech angeht, ist Asien ein riesiger Markt. Und gerade in Japan ist es für Unternehmen bedeutend, dass Geschäftspartner eine Repräsentanz vor Ort haben. Wir hatten außerdem das Glück, dort ebenso wie in den USA Teil des Accelerator-Programms Plug and Play zu sein.

Ihr Unternehmen will die Bilderkennung für selbstfahrende Autos revolutionieren – was machen Sie anders als die Konkurrenz?
Aktuelle Testfahrzeugen für selbstfahrende Autos haben in der Regel große Aufbauten auf dem Dach. Da sind eine ganze Reihe von Sensoren untergebracht, darunter auch sogenannte Lidars, die mit Hilfe von Lasern Abstände messen. Solche Systeme kosten aktuell 6.000 Dollar aufwärts und erfordern zudem eine extrem hohe Computerleistung im Fahrzeug. Wir erreichen ein ähnliches Ergebnis mit Kameras, die weniger als zehn Dollar kosten können.

Das müssten Sie bitte noch etwas ausführen.
Der Schlüssel ist die Software. Dank komplexer Algorithmen erreichen wir zwei Dinge in einem Verfahren: Aus den Videobildern wird ein dreidimensionales Bild rekonstruiert. Parallel wird bestimmt, wo sich das Objekt, von dem die Aufnahmen stammen, gerade in dieser 3D-Welt befindet. Vereinfacht gesagt: Wir bringen Maschinen bei, wie Menschen zu sehen. Für die Berechnungen reichen beispielsweise Smartphone-Prozessoren – man braucht dazu keine teure Hardware.

Das klingt wie eine Kampfansage an Nvidia. Der Grafikkartenhersteller verspricht sich mit seinen Chips große Geschäfte im Automobilbereich und hat Unternehmen wie Toyota, Continental und Tesla für seine Plattform gewonnen. Läuft die ganze Branche in die falsche Richtung?
Zu einzelnen Wettbewerbern möchte ich mich nicht äußern. Ganz generell gesagt: Aktuell werden mit Nachdruck Produkte am Markt platziert, die aber nicht unbedingt alle Marketingversprechen halten können. Und manche auf Vorstandsebene getroffene Einkaufentscheidung der Autohersteller geht am Bedarf der Ingenieure vorbei.

Alleine auf Kameras setzt aber kein Autokonzern…
Wir sagen auch nicht, dass Lidars und andere Sensoren keine Daseinsberechtigung haben. Schon aus Gründen der Sicherheit wird es in autonomen Fahrzeugen redundante Sensoren geben müssen. Unsere Software hat den Charme, dass sie auch mit anderen Sensordaten gefüttert werden kann – wir sind aber überzeugt davon, dass Kameras eine zentrale Rolle spielen sollten.

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