Das Digitalunternehmen ist den Start-up-Schuhen entwachsen – doch setzt jetzt bewusst erneut auf Crowdinvesting. Dabei soll eine Rekordsumme zusammenkommen.

Acht Millionen Euro vom Schwarm: Dieses ehrgeizige Ziel hat sich das Heidelberger Digitalunternehmen Ameria für eine Crowdinvesting-Kampagne gesetzt, die in diesen Tagen startet. Damit zielt das Unternehmen, dass eine Kombination aus Marketing-Software und Werbebildschirmen entwickelt und vertreibt, auf einen Rekordwert in der Geschichte des deutschen Crowdinvestings.

Insbesondere Immobilienprojekte konnten hier zuvor hohe Summen einsammeln – der aktuelle Rekordhalter ist das Hotelprojekt Weissenhaus, welches 2015 bereits 7,5 Millionen Euro von Privatanlegern erhielt. Das Kleinanlegerschutzgesetz verhinderte seitdem größere Schwarmfinanzierungen. Denn: Bei hohe Summen müssen die kapitalsuchenden Unternehmen einen  Vermögensanlageprospekt erstellen, was mit einem hohen Aufwand verbunden ist.  Eine EU-Verordnung ermöglicht seit diesem Sommer jedoch zumindest für Aktiengesellschaften auch prospektfreie Crowdinvestments von bis zu acht Millionen Euro. Diese neue Grenze will Ameria jetzt voll ausreizen.

Bereits seit 2001 ist das Unternehmen auf dem Markt – hat aber bis vor vier Jahren vor allem in einzelnen Projekten Software und Produkte für den Handel gebaut. Aus dieser Arbeit ist dann die Cloud-Software entstanden, über die interaktive Bildschirme im Handel leicht bespielt werden können. Nach eigenen Angaben nutzen bereits Firmen wie die Allianz, Haribo oder Porsche das Produkt, zudem besteht eine enge Partnerschaft mit der Accenture-Tochter Mackevison.

Zwei Millionen Euro konnte der Geschäftsbereich des „virtuellen Schaufensters“ bereits umsetzen – dieser Wert soll sich in den kommenden Jahren jeweils verdoppeln. „Jetzt geht es an die weltweite Skalierung – und da hilft Wachstumskapital enorm“, sagt Firmenchef Albrecht Metter im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Marketing als Treiber

Dafür setzt das Unternehmen auf Crowdinvesting. Diese Art der Wachstumsfinanzierung wurde bislang jenseits des Immobilienbereichs vor allem von jungen Start-ups genutzt, die Consumer-Produkte entwickelten. Doch durch zwei Kampagnen 2016 und 2017, bei der jeweils mehr als eine Million Euro zusammenkamen, entdeckte auch das B2B-Unternehmen Ameria für sich Vorteile: „Wir hatten auf einmal nicht nur eine Finanzierungskampagne, sondern eine Marketingkampagne“, sagt Metter.

Aus einigen der technikaffinen Privatinvestoren wurden Kunden, aus anderen Mitarbeiter – und sogar der Kontakt zum heutigen Länderpartner für die Schweiz kam nach eigenen Angaben über die Companisto-Plattform zustande, über die auch die aktuelle Kampagne organisiert wird.

Zuletzt geriet die einst gefeierte Form der Schwarmfinanzierung für Start-ups in die negativen Schlagzeilen. Grund dafür waren Insolvenzen von Start-ups wie Protonet oder Locomore, die zuvor mit mitreißenden Kampagnen viele Gelder von Verbrauchern überzeugt hatten. In der Regel ging es dort jedoch zwar Crowdfunding-Modelle, bei denen Start-ups den frühen Unterstützern eine vergünstigte Variante ihres Produkts versprachen. Auch im Crowdinvestment tragen die Kleinanleger jedoch als Mini-Miteigentümer das Risiko eines Totalausfalls. Gründer Metter geht jedoch optimistisch in die von Ameria angepeilte Rekordrunde.

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