Der Einzelhandel wird zur Ideenschmiede, Roboter übernehmen den Versandhandel und Start-ups mischen im Geschäft traditioneller Händler mit – in den nächsten Jahren wird kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Welche Veränderungen auf den Einzelhandel zukommen und wie die Branche den Wandel meistern will, sagt Hitmeister-Gründer und eCommerce-Experte Gerald Schönbucher anhand von vier Trends. Teil zwei mit den Trends drei und vier. Hier geht es zu Teil 1.

Künstliche Intelligenz und Robotik sollen die Kosten senken

Einzelhändler erhoffen sich in den nächsten Jahren enorme Kostenvorteile durch Roboter und künstliche Intelligenz.

Wenn ein Online-Shop Tausende von Produkten anbietet (beim E-Commerce-Riesen Amazon sollen es sogar viele Millionen sein) wird die Kategorisierung zur Mammutaufgabe – doch nur so finden Verbraucher über Suchwörter und Filter die Produkte, die sie brauchen.

Gerald Schönbucher.

Was zuweilen noch aufwendige Handarbeit ist, könnte mit künstlicher Intelligenz und Bilderkennung bald deutlich einfacher und billiger werden. Algorithmen könnten von alleine erkennen, dass ein Kleid grün, knielang und unifarben ist. Irgendwann könnten solche Systeme Käufern sogar genau die Kleidung empfehlen, die ihnen wirklich passt, sagt Schönbucher, egal ob das Stück nun groß oder klein ausfällt.

Auch im Marketing kommen Algorithmen immer stärker zum Zug. Während früher nach dem Gießkannenprinzip geworben wurde, können Einzelhändler inzwischen ihre Zielgruppen treffsicher ansprechen. Das macht Werbung effizienter und billiger.

Nicht zuletzt verändert Hightech auch die Warenlager. Jüngst hatte Amazon noch mit Negativschlagzeilen wegen der schlechten Bezahlung der Lagermitarbeiter zu kämpfen – in einigen Jahren könnte das Thema vergessen sein. Roboter werden in Zukunft die Pakete für den Versandhandel packen. 2012 hat Amazon dazu das Robotik-Start-up Kiva gekauft und spart bereits Geld durch die Anwendung der Technologie.

Einzelhändler holen Start-ups ins Boot

Mit neuen Technologien kündigen sich unzählige Veränderungen im Einzelhandel an. Doch wie schafft die Branche diesen Wandel? „Einzelhändler haben in der Regel keine Forschung und Entwicklung“, sagt Schönbucher. Es fehlt an Kompetenzen und IT-Fachkräften. Doch das weiß die Branche auszugleichen. „Start-ups sind die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Retail-Branche.“

Real hat vor gut einem Jahr die Handelsplattform Hitmeister gekauft. Zalando hat 2016 gleich mehrere Start-ups übernommen: Die Shopping-App Amaze und die Firma Tradebyte gehören jetzt ganz dem Fashion-Händler, während er große Beteiligungen an Anatwine und Le New Black aufgebaut hat.

Neben Zukäufen entscheiden sich einige Einzelhändler auch für Kooperationen mit Start-ups, oder sie fördern Unternehmer mit frischen Ideen in Accelerators. Egal welchen Weg sie wählen: Der Einzelhandel wird sich in den kommenden Jahren schneller weiterentwickeln denn je.

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