Anschub für die Digitalrepublik? Ein neues Gremium soll der Staatsministerin für Digitalisierung Impulse geben. Frank Thelen und Alexander von Frankenberg berichten im Doppelinterview von Fortschritten und Fehlern.

Eindrücke aus erster Hand: Ein „Innovation Council“, welches die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, vor einem Monat aus der Taufe gehoben hat, soll Ideen und Vorschläge liefern, um Infrastruktur und Förderbedingungen in Deutschland auf Kurs zu bringen.

Zu dem neuen Gremium gehören neben Vertretern von Bahn und Telekom auch zahlreiche Start-up-Köpfe, eingesammelt von Investor Frank Thelen. Eingeladen zum Premieren-Treffen waren unter anderem der Co-Geschäftsführer des halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds, Alexander von Frankenberg, sowie Marco Börries von Enfore, Daniel Wiegand von Lilium Aviation oder Delia Fischer von Westwing.

Die Erwartungen von Frankenberg und Thelen sind hoch, wie beide im Doppelinterview mit WirtschaftsWoche Gründer erkennen lassen. Sie fordern mutige Schritte der Regierung, erwarten viel Einsatz von den Start-up-Vertretern – aber ahnen bereits, dass sich nicht alle Pläne umsetzen lassen werden.

Ein neues Gremium für mehr Schwung bei digitalen Themen – warum braucht die deutsche Politik ein „Innovation Council“?

Thelen: Was uns antreibt, ist das traurige Bild, dass wir in den letzten Jahrzehnten keine relevanten neuen Technologie-Plattformen erschaffen haben und dass wir von Unternehmen wie Facebook oder Amazon komplett abhängig sind. Deutschland muss begreifen, dass wir das ändern müssen – sonst kann es uns sehr bald gehen wie Nokia. Das ist wahnsinnig schwer zu begreifen, weil es uns momentan noch so gut geht. Aber wir leben aus der Vergangenheit.  Es dreht sich so schnell, durch die neuen Technologien – die werden neue Märkte besetzen. Ich sehe keine Panik in den Augen der Mittelständler, der Investoren und der Politiker. Mir fehlt der Tatendrang, stattdessen machen wir Dinge wie die DSGVO.

Frankenberg: Facebook ist mehr wert als alle deutschen Start-ups seit SAP zusammen – da passieren große Dinge. Uns geht es gut, aber wenn die Chinesen günstige Elektroautos exportieren, haben wir plötzlich 14,8 Prozent Arbeitslosigkeit statt 4,8 Prozent. Mit allen Konsequenzen: Die Sozialkassen gehen leer, Defizite in den öffentlichen Haushalten, schlechte Stimmung, vielleicht entsprechende Wahlergebnisse. Dabei haben wir die Mittel zur Verfügung – aber die müssen wir entsprechend investieren, um die Rahmenbedingungen so zu gestalten, bei den Chancen, die sich bieten, tatsächlich große Unternehmen hervorzubringen.

Und welche Rolle in diesem großen Projekt soll das kleine Council spielen?

Thelen: Das Council ist eins von vielen Puzzlestücken, um von der Seedrunde bis zum IPO alle zusammenzubringen. Ich habe Dorothee Bär als eine sehr aufgeschlossene Frau erlebt, die ernsthaft Dinge anpacken will.

Wie haben Sie denn den Auftakt erlebt?

Thelen: Die erste Runde war sicher noch nicht perfekt, weil wir es kurzfristig machen wollten und deshalb nicht alle dabei sein konnten. Wir haben gute Gespräche geführt, aber noch hat die Struktur gefehlt. Das ist mein Fehler: Ich muss lernen, wie man Dinge auch in der Politik auf die Straße bringen kann – wie kommt man konkret voran.

Welche Hürden haben Sie denn da im Sinn?

Frankenberg: Es gibt viele Themen, die wichtig sind. Beispiel Börse: Ich muss aus den Altersversorgungssystemen mehr Geld an die Börse kriegen, um große IPOs zu realisieren. Wenn ein VC-finanziertes Unternehmen Weltmarktführer werden will, gibt es keinen anderen Weg als über die Börse. Denn die Investoren brauchen irgendwann einen Exit, sonst wird es verkauft – und man hat nicht den unabhängigen Weltmarktführer.

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