Ein Großteil der Studierenden leidet auch finanziell unter der Corona-Krise. Das Berliner Start-up Zenjob hält weiterhin Jobs bereit – statt Gastronomie suchen nun E-Commerce und Logistik. Investoren legen kräftig nach.

Kellnern? Nachhilfe geben? Flyer auf einer Messe verteilen? Mit Nebenjobs wie diesen finanzieren dem Deutschen Studentenwerk zufolge rund 68 Prozent der insgesamt 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland ihres Alltag. Auf Grund der durch Corona ausgelösten Kontaktbeschränkungen fielen diese in den vergangenen Wochen jedoch  weitgehend weg.

Schlechte Zeiten also für Studenten von Flensburg bis Freiburg. Umso mehr überraschte die Meldung des Berliner Start-ups Zenjob: Das Unternehmen, das per App studentische Hilfskräfte auf Stundenbasis als Nebenjob für mehrere Monate an große und mittelständische Unternehmen vermittelt, hat dieser Tage eine Finanzierung  von 27 Millionen Euro abgeschlossen. Lead-Investor ist Forestay Capital. Zu den weiteren Kapitalgebern zählen die Bestandsinvestoren Redalpine, Acton Capital, Axa Venture Partners und Atlantic Labs.

Kontaktlos zum nächsten Nebenjob

Auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer sagte Co-Gründer und CEO Fritz Trott : „Natürlich sind Jobs aus den Bereichen Hotellerie und Event weggefallen, aber das können wir durch den hohen Personalbedarf der anderen Branchen gut ausgleichen. Wir sehen zum Beispiel eine hohe Nachfrage aus der Logistik, dem Handel und rund um den Bereich E-Commerce. Wir bemerken also eher eine Verschiebung der Nachfrage. Mit Ausblick auf die künftigen Lockerungen und die Wiedereröffnungen der Geschäfte erwarten wir für die kommenden Monate, dass der Handel boomen wird. Auch der Trend zum Online-Shopping hat zur Folge, dass flexible Mitarbeiter im E-Commerce stark nachgefragt sind.“ Auch Konkurrent Studitemps vermeldete bereits vor einem Monat, dass die Nachfrage in den Krisenzeiten zunahm.

In Zeiten von Corona sei vor allem die Möglichkeit des kontaktlosen Einstellens neuer Mitarbeiter gefragt, denn das übernimmt Zenjob mit seiner App.Dank der eigens entwickelten Technologie will das Start-up die Auswahl der bestmöglichen Kandidaten garantieren: Algorithmen treffen eine Auswahl an Kandidaten, indem sie die Studierenden anhand ihrer Qualifikationen, Vorerfahrung, Jobpräferenzen und Wohnortnähe sortieren. In die Gewichtung werden auch die Bewertung bereits abgeschlossener Schichten einbezogen, sowohl von Unternehmen als auch von Studierenden. „Unsere Vision ist es, dass Arbeitswelt der Zukunft wie Netflix funktionieren wird: Du wachst morgens auf, nimmst dein Smartphone in die Hand und kannst dir aussuchen, wo und wann du heute arbeiten möchtest.“ Damit arbeitet das Start-up an einer Gig-Economy für Studierende – diese Art des Arbeitsmarktes wird von zahlreichen Wissenschaftlern auch kritisch betrachtet.

Vermittler will sich im Westen ausbreiten

Das eingeworbene Geld soll unter anderem in die deutschlandweite Expansion fließen. Aktuell ist das Berliner Unternehmen bereits in 14 Städten, darunter Hamburg, Köln und Stuttgart vertreten: „Was wir schon verraten können ist, dass wir im nächsten Schritt unserer Expansion die gesamte Region um Frankfurt am Main sowie das Rhein/Ruhr-Gebiet abdecken werden. Aber auch die Expansion in andere Teile Deutschlands, wie zum Beispiel Dresden, bereiten wir vor“, so Trott.

Eigenen Angaben zufolge nutzen 15.000 Studierende die Plattform, pro Monat würden rund 12.000 Jobs besetzt. Zu den aktuelle Kunden gehören unter anderem Uniqlo, Flixbus, Terra Naturkost und Mercure Hotels. Zenjob wurde 2015 von Fritz Trott, Cihan Aksakal und Frederik Fahning gegründet und beschäftigt aktuell 260 Mitarbeiter. Für Studierende ist der Service kostenlos. Unternehmen zahlen dem Start-up einen Aufpreis für jede geleistete Arbeitsstunde. Im Gegenzug übernimmt das Start-up von der Personalsuche bis hin zur Abrechnung die gesamte Abwicklung für den temporären Personaleinsatz.