Der Betreiber von Vermietet.de meldet 75.000 Nutzer – und will nach Vermietern und Dienstleistern bald auch Mieter auf seine Plattform locken.

Irgendwann war er die Excel-Tabellen und Leitzordner leid: Als Privatvermieter kennt Jannes Fischer den Aufwand, der mit der Verwaltung einer Wohnung verbunden ist. Mit seinem 2016 gegründeten Start-up Zenhomes will er die Prozesse digitalisieren – von der Ausschreibung, über das Bewerbermanagement, Nebenkostenabrechnungen und Renditeberechnungen bis zur Beauftragung von Handwerkern. Mit dieser Idee hat Fischer offenbar einen Nerv getroffen. Aktuell 75.000 Nutzer zählt seine Plattform Vermietet.de, die im März 2017 online ging.

Auch bei Investoren ist das Interesse groß, wie die jüngste Meldung des Proptechs zeigt. Demnach hat Zenhomes gerade knapp 13 Millionen Euro (14,5 Millionen Dollar) eingeworben. Vor einem halben Jahr hatte das Start-up bereits einen nicht näher spezifizierten Millionenbetrag von Investoren bekommen. Wie Fischer auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer angab, fließt die neu eingeworbene Summe allerdings nicht komplett in das Unternehmen. Mit einem kleineren Teil seien vorherige Investoren abgelöst worden.

Neu in den Gesellschafterkreis eingezogen sind der Energieversorger EWE, die zur Holding von René Benko gehörende Investmentgesellschaft Signa Innovations und das Hamburger Immobilienunternehmen Momeni. Frisches Kapital kommt zudem von bestehenden Gesellschaftern wie den Versicherern Axa und Swiss Life sowie der Deutschen Bank und der Commerzbank. Beteiligt war darüber hinaus die Apeiron Investment Group, hinter der der Seriengründer und Investor Christian Angermayer steht. „Wir haben mehr Geld aufgenommen als geplant“, sagt Fischer.

Wertvolle Vergleichsdaten

Das Start-up beansprucht für sich, als einziges Portal sämtliche Prozesse rund um die Immobilienverwaltung abdecken zu können. Zielgruppe sind bisher Privatvermieter, die nach Schätzungen zusammen rund 15 Millionen Wohnungen in Deutschland anbieten. Der Bestand bei Vermietet.de liegt laut Fischer bei über 220.000 Objekten. „Damit sind wir einer der größten Aggregatoren von Wohnraum in Deutschland.“

Der enorme Datenbestand eröffnet Zenhomes neue Möglichkeiten. Zum einen kann das Proptech Vermietern verlässliche aussagekräftige Vergleichsdaten liefern, etwa zum Durchschnittspreis pro Quadratmeter. Zum anderen wird es zunehmend attraktiv für Dienstleister wie Handwerker, sich zu registrieren. Vermieter können diese direkt über die Plattform beauftragen. Verändern sich durch Umbauten Rahmendaten, werden diese automatisch in anderen Modulen berücksichtigt – so wirkt sich etwa der Anbau eines Balkons auf die für in Mietverträgen angegebene Wohnfläche aus.

Internationalisierung geplant

Erklärtes Ziel von Fischer ist es, „ein Betriebssystem für den Immobilienmarkt“ zu schaffen, bei dem alle Parteien auf denselben Datensatz zu einzelnen Objekten zugreifen. Nach Vermietern und Dienstleistern will er in einem nächsten Schritt auch Mieter auf die Plattform holen. Die könnten beispielsweise online Nebenkostenabrechnungen abrufen oder einen Schaden melden.

Für Vermieter ist die Plattform in einer Basisversion kostenlos, für einzelne Funktionen müssen die Nutzer extra zahlen. So wird eine Gebühr von 9,90 Euro für die Generierung eines Mietvertrags fällig. Künftig könnte sich die Plattform auch gewerblichen Vermietern öffnen. „Der B2B-Markt bietet noch einmal ein großes Potenzial“, sagt Fischer.

Auf dem Plan steht auch eine Internationalisierung: „Wir arbeiten zunächst daran, die Benutzeroberflächen weiter zu vereinfachen“, sagt Fischer. „Wenn alles reibungslos läuft, werden wir im kommenden Jahr auch andere Märkte angehen.“ Derzeit beschäftigt das Start-up in Berlin knapp 40 Mitarbeiter – zahlreiche Stellen sind derzeit ausgeschrieben. Der Gründer geht von einer Verdopplung des Teams bis zum kommenden Jahr aus.