Der Däne Mikkel Svane hat Zendesk erfolgreich an die Börse gebracht. Im Interview erklärt er, warum das heute viel schwerer wäre.

Der Däne Mikkel Svane hat 2007 das Softwareunternehmen Zendesk gegründet. Zwei Jahre später verlegte er den Hauptsitz nach San Francisco und brachte die Firma 2014 in New York an die Börse. Zendesk hat bietet eine Online-Plattform für Kundensupport, die von über 60.000 Unternehmen genutzt wird. Im letzten Quartal nahm das Unternehmen damit 55,7 Millionen Dollar ein. Im Interview spricht er über die Unterschiede zwischen Start-ups in Europa und den USA.

WirtschaftsWoche Gründer: Ist es für europäische Start-ups immer noch nötig ins Silicon Valley zu gehen, um weltweit erfolgreich zu sein?

Mikkel Svane: Alle großen Regionen haben dominante Industrien, wer mit seinem Unternehmen nicht zu diesen gehört, ist immer ein Außenseiter. Und im Silicon Valley gibt es eben eine Start-up-Industrie. In meiner Heimat Kopenhagen wird es dagegen nicht als richtiger Job betrachtet, ein Gründer zu sein – zumindest war das vor fünf Jahren so. Es ist mehr wie ein Hobby.

Natürlich haben sich die Dinge seither geändert, so gibt es viel mehr gute Start-ups und Wagniskapital. Aber im Silicon Valley ist alles noch einige Nummern größer.

Also würden Sie es heute wieder tun?

Das ist schwer zu sagen. Denn es ist sehr teuer geworden, dort ein Unternehmen zu betreiben und der Wettbewerb um Talente ist verrückt. Es wird für neue Start-ups immer schwerer durchzustarten und der Kapitalbedarf ist sehr hoch, da alles es so teuer geworden ist.

Sie sind umgezogen, als Benchmark Capital investiert hat. War das eine Bedingung für die Beteiligung?

Sie wollten uns schon gern dort haben, da es einfacher ist zu helfen, wenn wir in der Nähe sind. Wir wollten aber auch Teil der Gemeinschaft sein, denn bei einem Investment geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Unterstützung bei der Suche nach Personal, Partnern und anderen Dingen. Und das ist sehr schwer, wenn dein Investor neun Zeitzonen entfernt ist.

Können London oder Berlin in fünf bis zehn Jahren zum Silicon Valley aufschließen?

In Berlin tut sich wirklich viel, denn es ist relativ günstig, um ein Unternehmen zu führen. Auch London hat eine große Start-up-Szene. Der große Test wird sein, was passiert wenn es die nächste Korrektur im Investitionszyklus gibt. Werden die neuen Start-up-Hubs so eine Phase überstehen oder wieder zerfallen? Wenn sie es durchstehen, sind sie für den dann wieder folgenden Aufschwung richtig gut positioniert.

Erwarten sie diese Korrektur im nächsten Jahr?

Das weiß ich nicht. Aber ich glaube es wird nicht das große Platzen einer Blase geben, sondern kleinere Korrekturen. Manchmal heizt es sich zu sehr auf, dann kühlt es sich wieder etwas ab. Aber wir alle realisieren, dass manche Bewertungen ziemlich hoch sind und die Unternehmen müssen noch beweisen, ob sie gerechtfertigt sind.

Sie sind im Frühjahr 2014 an die Börse gegangen. War das zu früh oder sind sie froh, den Exit schon geschafft zu haben?

Das Timing war sehr gut und wir wachsen weiterhin stark.

Aber Sie sind immer noch nicht profitabel?

Nein, aber wir wollen nächstes Jahr einen positiven Cashflow vorlegen.

In Europa wäre es kaum möglich gewesen, an die Börse zu gehen, ohne profitabel zu sein, oder?

Ja, es gibt hier noch nicht diese Tradition für schnell wachsende Unternehmen.

Welchen Rat geben Sie Start-ups, die ins Silicon Valley ziehen wollen?

Es ist schwierig, da überhaupt etwas zu raten. Mit der Summe, die wir damals eingesammelt hatten (sechs Millionen Dollar im Jahr 2009, Anm. d. Redaktion), könnten wir es uns heutzutage nicht leisten, nach Kalifornien zu ziehen. Natürlich hätten wir heutzutage vielleicht auch mehr Geld eingesammelt.

Auch persönlich wäre es schwer. Ich habe meine Familie mitgebracht, wir haben drei Kinder und ein kleines Haus in der Nähe der City. Damals konnten wir uns das leisten aber heute wäre das unmöglich.

Herr Svane, vielen Dank für das Gespräch