Das Berliner Unternehmen digitalisiert die Abrechnung – und will jetzt auch Steuerberatern die Arbeit erleichtern. Jetzt fließen 27 Millionen Euro, um die Expansion in Europa voranzutreiben.

Es gibt keinen Zweifel, was die Kunden des Berliner Start-ups Zeitgold aktuell umtreibt: Die Corona-Krise sorgt bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen aktuell für massive Liquiditätsprobleme – und potenziell existenzbedrohende Wochen und Monate. Zwölf Blog-Beiträge hat Zeitgold seit Mitte März bereits rund um das Thema veröffentlicht. Wie können Krisenhilfen beantragt werden? Worauf muss man bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld achten? Das Start-up will sich auch hier als Helfer präsentieren. Der eigentliche Geschäftszwecke: Eine App, die bei der Digitalisierung von Rechnungen hilft. Und eine Software, die die Buchhaltung deutlich vereinfachen soll.

Damit konkurriert das 2015 gegründete Zeitgold mit Start-ups wie Buchhaltungsbutler oder Candis – und natürlich dem Branchenprimus Datev. Investoren sind von den Marktchancen in jedem Fall überzeugt. Jetzt hat Zeitgold eine Finanzierungsrunde über 27 Millionen Euro abgeschlossen. Insgesamt stecken damit bereits etwa 50 Millionen Euro Risikokapital in dem jungen Unternehmen. Neu eingestiegen ist nun die Venture-Capital-Gesellschaft Vintage Investment Partners mit Hauptsitz in Tel Aviv. Erneut investiert haben jedoch auch bestehende Gesellschafter.

Software auch für Steuerberater

Dazu zählen neben Battery Ventures oder HV Holtzbrinck Ventures auch der Versicherungskonzern Axa und die Deutsche Bank. Die waren bei einer Finanzierungsrunde Ende 2018 an Bord gekommen. Die Hoffnung damals: Dank der prominenten Partner aus dem Finanz- und Versicherungssektor sollte der Zugang zu Kunden erleichtert werden. Nach Angaben von Zeitgold habe sich die Kundenbasis seitdem verdreifacht.

Zudem hat das Start-up seine Zielgruppen erweitert. Seit Ende des vergangenen Jahres bietet Zeitgold auch eine Software-Lösung für Steuerberater an. Man wollen beiden Seiten helfen, „sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, lässt sich Mitgründer Stefan Jeschonnek in einer Pressemitteilung zitieren. In 80 Prozent der Fälle will das Start-up bereits die korrekten Buchungsvorschläge machen. Die Software soll in Zukunft weiter lernen, um auf die passenden Verbindungen zu kommen. Die Hoffnung des Start-ups: Vielen Kanzleien fehlt heute bereits der Nachwuchs – wenn sich Routineaufgaben durch ein Programm automatisieren lassen, wird Arbeitszeit für strategische Aufgaben frei.

Mit dem neu eingeworbenen Kapital will Zeitgold nun auch andere Märkte angehen. Der Anspruch ist hoch. Man wolle die Software „als Standard für Buchhaltungsautomatisierung in Europa“ etablieren, so Jeschonnek. Erfahrung mit starkem Wachstum haben er und sein Mitgründer Jan Deepen bereits: Sie haben den Mobile-Payment-Anbieter Sumup mit aufgebaut. Der dritte Mitgründer Kobi Eldar stammt aus der Cyber-Schmiede des israelischen Militärs – und ist mit dafür verantwortlich, dass die Berliner auch eine Dependance in Tel Aviv haben.