Zwei Brüder haben bei „Die Höhle der Löwen“ eine ultraleichte Computermaus vorgestellt – und konnten mit ihrem hochpreisigen Nischenprodukt ausgerechnet Ralf Dümmel überzeugen.

Er gehört zu den leichtesten Vögeln der Welt – und fällt durch seine laute Stimme auf: Der Zaunkönig schien Patrick und Dominik Schmalzried deswegen ein passender Namenspate für ihr Start-up. Sie haben eine Computermaus aus Karbon entwickelt, die mit 23 Gramm nur einen Bruchteil gängiger Geräte wiegt. Das geringe Gewicht soll Profi-Gamern zu schnelleren Reaktionen verhelfen. Dass es oft auf Millisekunden ankommt, weiß Patrick Schmalzried aus eigener Erfahrung: Er war 2003 Nationalspieler bei dem in der E-Sport-Szene beliebten Echtzeitstrategiespiel „Starcraft“.

Per Crowdfunding haben die Gründer aus Dettenhausen bei Stuttgart im vergangenen Jahr bereits die Produktion von rund 500 Mäusen finanziert. In der Szene hat sich Zaunkoenig rasch einen Namen als Premiumhersteller gemacht. Bei „Die Höhle der Löwen“ (Ausstrahlung am 29.03.2021) warben sie um einen professionellen Investor. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer berichtet Dominik Schmalzried, mit welchen Erwartungen er zu dem Pitch im vergangenen Frühjahr gegangen ist, was die Produktion so aufwendig macht – und wieso es auch in Zukunft bei kleinen Stückzahlen bleiben soll.

Herr Schmalzried, sind Sie überhaupt mit der Hoffnung auf ein Investment in die Sendung gegangen? Eine ultraleichte Maus für Profi-Gamer ist ein vergleichsweise nischiges Produkt…
Unsere Bewerbung ist tatsächlich aus der Frage heraus entstanden, wie wir einen Investor gewinnen können. Und für uns war der Pitch im vergangenen Frühjahr eine sehr willkommene Abwechslung. Wir haben uns täglich mit Problemen bei der Produktion herumgeschlagen – wir standen gewissermaßen knietief in Karbon und waren froh über die Ablenkung. Die größten Chancen haben wir uns im Vorfeld bei Nico Rosberg ausgerechnet. Als ehemaliger Formel-1-Pilot kennt er sowohl die Welt des Profisports als auch die des Leichtbaus. Wir fanden, er hätte deswegen gut zu uns gepasst.

In der Sendung den Zuschlag gegeben haben Ihnen dann aber Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel. Letztgenannter ist bekannt dafür, Produkte schnell in großen Mengen in den Handel zu bringen – gerne auch zu Ramschpreisen. Wie passt das zum Hersteller der weltweit teuersten Computermaus?
Wir waren ehrlich gesagt auch überrascht von Ralf Dümmels Interesse – offenbar hat er über seine Söhne ein Grundverständnis für die Gaming-Szene. Und man darf nicht vergessen: Er investiert durchaus auch in Premiumprodukte, auch wenn das nicht so bekannt ist.

Bisher produzieren Sie kleine Stückzahlen und haben für die erste Karbon-Maus 249 Euro verlangt. Schlagen Sie nun einen neuen Kurs ein?
Nein, wir wollen unsere Exklusivität erhalten. Wir möchten definitiv kein Massenhersteller werden. Gegen die Branchenriesen kämen wir auch gar nicht an. Uns geht es darum, hochwertige Produkte herzustellen, die eingefleischte Gamer begeistern.

Sie und Ihr Bruder haben Zaunkoenig gegründet, weil Sie sich selbst eine leichte Maus gewünscht haben. Gab es tatsächlich kein passendes Modell am Markt – und ist das immer noch so?
Zu der Zeit, als mein Bruder im E-Sports aktiv war, wurden Computermäuse immer klobiger und schwerer. Die Hersteller waren geradezu versessen darauf, mehr Knöpfe dran zu packen. Uns war offensichtlich, dass ein kleines, leichtes Gerät sehr viel besser wäre. Wir konnten gar nicht fassen, dass trotzdem alle in die andere Richtung gingen. Also haben wir selbst angefangen, zu tüfteln. Mittlerweile ist Leichtbau ein Trend in der ganzen Branche geworden. Aber an Karbon haben sich die großen Hersteller bisher nicht herangetraut. Es vertrauen lieber alle auf die gewohnten Produktionsprozesse – also den Spritzguss mit Plastik.

Im Blog auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass Sie durch die „Produktionshölle“ gegangen sind. Was macht den Prozess so komplex?
Es ist superschwierig, Karbon sauber zu verarbeiten – obgleich gar nicht so viele Gerätschaften dafür nötig sind. Wir mussten auf die harte Tour lernen, dass es einen riesigen Unterschied macht, ob man einen Prototyp oder mehrere Hundert Mäuse am Stück herstellt. Wir hatten anfangs viel Ausschuss und haben uns immer wieder blutige Hände geholt. Inzwischen sind wir routinierter und setzen etwa bei strukturellen Elementen oder auch beim Mauskabel auf Zulieferer.

Sie haben beide ein Wirtschaftsstudium absolviert. Woher nahmen Sie das Know-how?
Wir haben uns alles selbst angeeignet, angefangen hat alles mit CAD-Programmen und 3D-Druck. Die ersten Entwürfe liegen schon Jahre zurück, seither gab es eine steile Lernkurve. Für die Karbonverarbeitung haben wir durchaus auch Rat von außen geholt, ich habe unter anderem einen Kurs bei einem Hersteller in England gemacht. Inzwischen bin ich wohl mehr Ingenieur als BWLer.

Die ersten 500 Mäuse haben Sie zu zweit in der Garage Ihrer Eltern hergestellt. Wie sieht es jetzt aus?
Sagen wir so: Die Garage ist wieder befahrbar. Jetzt passt alles in ein ehemaliges Kinderzimmer. Wir werden auch in Zukunft keine großen Räumlichkeiten in einem Industriegebiet brauchen. Im Wesentlichen sind wir immer noch zu zweit, auch wenn wir uns hier und da Hilfe hinzuholen.

In großem Stil in Asien produzieren zu lassen, kommt für Sie nicht in Frage?
Uns ist die vertikale Integration extrem wichtig: Wir wollen soviel es geht selbst machen. Und Zaunkoenig soll für Produkte stehen, die tatsächlich made in Germany sind und nicht nur hier zusammengeschraubt werden. Alle unserer Zulieferer kommen hier aus der Region. In Asien könnten wir sicher gut einen Plastikbomber bauen, aber genau das wollen wir ja nicht.

Wie geht es für Zaunkoenig nun weiter?
Gute Frage, wir haben unsere Planungen erst einmal voll auf den Sendetermin von „Die Höhle der Löwen“ ausgerichtet. Uns ist bewusst, dass wir dadurch viel Aufmerksamkeit bekommen. Wir nutzen den Tag deswegen auch für den Verkaufsstart unseres neuen Modells – den Zaunkoenig MK2. Davon haben wir eine vierstellige Menge vorproduziert.

Das neue Gerät ist mit 299 Euro noch einmal teurer geworden. Warum?
Es gibt nun ein keramikbeschichtetes Mausrad, außerdem übermittelt das Gerät noch häufiger seine Position. Das waren häufig nachgefragte Features, die aber die Produktion noch einmal komplexer machen. Auch die Karbon-Hülle haben wir weiter verbessert: Sie ist nicht schwerer geworden, aber deutlich steifer.

Wie ist es eigentlich, mit dem Bruder zusammen ein Unternehmen zu gründen? Gibt es unter Geschwistern nicht ständig Zoff?
Natürlich haben wir so unserer Auseinandersetzungen. Aber wir vertragen uns auch schnell wieder. Es ist aus meiner Sicht ein Vorteil, sich so gut zu kennen. Wir haben ja schon als Kinder viel Zeit miteinander verbracht. Irgendwann haben wir dann Eimer und Schaufel gegen Maus und Tastatur getauscht. Sonst hat sich gar nicht soviel verändert.

Vielen Dank für das Gespräch.