Wunsch 2:
Mehr Sein als Schein

Was passiert, wenn man sein eigenes Start-up mit ein wenig Marketingsprech aufbauschen will, musste Lendico vor wenigen Wochen erfahren. Eine Pressemitteilung des Fintech-Unternehmens wurde auf „Handelsblatt Online“ Zahl für Zahl seziert – von den Nutzerzahlen bis zum angefragten Kreditvolumen.

Lendico ist nur ein Beispiel von vielen. GoButler zum Beispiel verkündete im Sommer vollmundig, eine größere Finanzierungsrunde als das US-Vorbild Magic abschließen zu wollen. Am Ende sammelten die Amerikaner zwölf Millionen Euro, die deutsche Kopie hingegen „nur“ acht Millionen Euro ein. Das Putzportal Helpling sprach im März von der großen Expansion, kürzlich musste es sich nun aus einigen Märkten wieder zurückziehen.

Liebes Christkind, es wäre schön, wenn sich einige Start-ups wieder auf das Sein statt den Schein konzentrieren könnten. Denn eine Kultur des Scheiterns fängt schon vor der Pleite an: Sie beginnt damit, das eigene Start-up nicht größer zu machen, als es ist. Wenn ein Unternehmen wachsende Umsätze und steigende Nutzerzahlen vorweisen kann, ist das absolut positiv. Aber wenn das nicht der Fall ist, wäre es schön, ehrlich darüber zu reden, dass es gerade nicht so gut läuft. Wenn sich doch nur mehr Gründer genau das trauen würden.

Wunsch 3:
Mehr Tech, weniger Copycats

Man muss als Gründer ja nicht das Rad neu erfinden. Aber muss man wirklich ein Geschäftsmodell inklusive Webseite einfach eins zu eins aus dem Ausland kopieren und ein deutsches Logo drauf kleben?

Das Problem liegt ja nicht darin, in einen bestehenden Markt einzutreten. Auch die Aldi-Brüder haben den Handel nicht erfunden. Sie haben aber ein neues Modell entwickelt, mit dem sie die Kunden anders als ihre Wettbewerber überzeugen konnten. Dieser Gründergeist, sich in einem bestehenden Markt eine eigene Idee auszudenken, der fehlt uns manchmal.

Und auch wenn gerade die Weihnachtszeit die Konsumgesellschaft wieder in besonderem Maße herausfordert, so fragen wir uns manchmal doch, ob Gründen immer E-Commerce sein muss. Klar gibt es Erfolgsbeispiele wie Zalando, doch warum muss man immer die Geschichte von anderen kopieren? Das ist doch langweilig. Und kommen Innovationen nicht daher, ein Problem zu lösen, das noch nicht gelöst wurde, und nicht ein Problem zu lösen, das schon jemand anders löst?

Bei Weihnachtsgeschenken versuchen wir doch auch immer alle, besonders originell zu sein. Warum nicht auch beim Gründen?