Rocket Internet plant offenbar schon die nächsten Börsengänge, die Start-up-Szene profitiert hingegen von Börsenweisheiten. Was in dieser Woche wichtig war.

In Berlin bahnt sich ein spektakulärer Exit an. Mit 6Wunderkinder steht eines der Vorzeige-Start-ups vor der Übernahme durch einen der ganz Großen – angeblich soll Microsoft über den Kauf der beliebten  To-Do-App Wunderlist verhandeln.

Rocket Internet hingegen hat offenbar Gefallen am Frankfurter Parkett gefunden. Nachdem der Start-up-Inkubator erst im Oktober selbst an die Börse ging, sollen nun auch die Global Fashion Group (GFG) und die Global Takeaway Group (GTG) künftig Wertpapiere ausgeben. Das berichtete in dieser Woche das „Manager Magazin“. Noch in diesem Jahr könnten die Tochterfirmen demnach ihr Börsendebüt feiern – Rocket Internet wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

Während die GFG die Anteile der weltweiten Zalando-Klone bündelt, beherbergt die GTG die Lebensmittellieferdienste. Damit könnte sich Rocket an der Börse schon bald selbst Konkurrenz machen: Auch die Beteiligung Delivery Hero soll ja Pläne hegen, bald das Frankfurter Parkett zu betreten. Nur gut, dass der Samwer-Inkubator mit Konkurrenz unter seinen eigenen Start-ups schon Erfahrung hat.

Eine weitere Rocket-Beteiligung, die an die Börse will: Kreditech. Allerdings ruderte René Griemens nun wieder etwas zurück. Nachdem es in der Vorwoche noch so klang, als ob das Hamburger FinTech-Start-up 2016 aufs Parkett will, erklärte er nun,  dass „ein Börsengang in 2017 realistischer ist“.

Doch auch abseits der Börse zeigte sich die deutsche Start-up-Szene in dieser Woche als Experte im Geldeinsammeln: Vier Millionen Euro erhielt das Travel-Unternehmen Bd4travel, drei Millionen die Personalplattform Softgarden, eine Million das Luxusuhren-Start-up Montredo, 600.000 Euro das Bitcoin-Unternehmen Bitbond und auch Wine in Black verkündete eine Millionen-Finanzierung. Die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ scheint offenbar auch für Finanzierungen der Start-up-Szene zuzutreffen.

Die beliebte Finanzierungsalternative über die Crowd kann sich später hingegen als hinderlich erweisen. Das Start-up Smarchive, dass heute Gini heißt, hatte 100 000 Euro per Crowdfunding eingeworben – doch als dann T-Venture einsteigen wollte, musste sich das Start-up mit seinen 144 Seedmatch-Investoren einigen. Ähnlich ist es nun bei Cashboard. Das Fintech-Start-up hatte sogar 450 000 Euro eingesammelt. Da nun aber prominente Geldgeber einsteigen wollen, möchte Cashboard die 478 Crowd-Investoren herauskaufen und bietet ihnen immerhin eine Rendite von 48,5 Prozent.

Einige andere Fintech-Start-ups haben sich wahrscheinlich über die Stiftung Warentest geärgert. Nachdem es schon einen heftigen Streit mit Posteo über den Test von Mail-Verschlüsselungsdiensten gab, sind nun gleich 31 von 38 Banking-Apps im Test durchgefallen. Fintech-Spezialist André M. Bajorat findet jedoch, dass die Testkriterien nicht überzeugen, da sie die Kundeninteressen und damit die Innovationen von neuen Anbietern ignorieren.

Gewonnen hat übrigens Outbank. Die Macher des Klassikers sitzen in Dachau und bestätigen damit eine weitere Erkenntnis dieser Woche: Selbst im gerade erst aufblühenden Segment der Finanz-Start-ups hat die Bankenmetropole Frankfurt schon das Rennen gegen Berlin verloren.