Wie haben Ihre Mitarbeiter auf die Wachstumspläne reagiert?
Die erste Reaktion war positiv: Es entsteht das Gefühl, bei einer Firma zu sein, die wächst, und dass man keine Angst haben muss, dass es hier bald nicht mehr weitergeht. Viele sehen auch neue Karriereoptionen, zum Beispiel Team-Lead zu werden. Etwas zurückhaltender sind die Reaktionen, wenn wir erfahrene Manager einstellen, die teils 40 Jahre oder älter sind. Da gibt es Sorgen im Team, dass sich Freiheiten einschränken könnten. Aber das berücksichtigen wir im Recruiting-Prozess und diskutieren das in der großen Runde.

Sie sprechen in der Gruppe über jede Neueinstellung?
Ja, das machen wir bei allen neuen Mitarbeitern – nur in unterschiedlich großen Gruppen. Bei Senior-Hires sitzen zwischen vier und zehn Leute am Tisch. Jeder trifft die Person und stellt Fragen. Anschließend besprechen wir uns gemeinsam für 15 Minuten und jeder darf Feedback geben. Die Entscheidung trifft aber am Ende der jeweils zuständige sogenannte Hiring Manager.

Lässt sich das System auch mit fast 200 Mitarbeitern beibehalten?
Ja, das will ich auf jeden Fall beibehalten. Dass jeder mitspricht, verbessert die Stimmung deutlich. Denn jeder weiß: Meine Bedenken sind eingeflossen, selbst wenn am Ende eine andere Entscheidung getroffen wurde.

Gefährdet das schnelle Wachstum die Stimmung im Team?
Das ist ein schwieriges Thema. Meistens läuft es ja so: Zum Beispiel der beste Designer wird zum Projektleiter befördert. In der Führungsrolle muss man dann aber primär kommunizieren und sich mit Personalthemen beschäftigen. Das ist eine ganz andere Aufgabe. Dann passiert es manchmal, dass Führungskräfte merken, dass sie gar nicht mehr so viel Spaß an ihrem Job haben. Darauf zu reagieren, ist schwierig. Denn wer in seine Expertenposition zurückgeht, macht gefühlt einen Karriereschritt zurück. In so einer Situation wechseln die Leute eher das Unternehmen, das ist schade.

Machen Sie sich Sorgen, dass die Start-up-Kultur verloren gehen könnte?
Durch den Wandel gibt es viele Leute im Team, die in der neuen Organisation total aufblühen. Die haben zwar bis jetzt einen guten Job gemacht, waren aber eher Empfänger von Aufgaben. Jetzt entsteht viel mehr Autonomie durch den neuen Führungsansatz, manchen Leuten liegt das total. Andere fühlen sich dagegen nicht wohl, wenn ihnen Infos fehlen. Aber bei Wunder haben wir viele Menschen im Team, die wirklich selbst entscheiden wollen. Wir müssen einfach alle lernen anders zu arbeiten.

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